Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Schauplatz und Diskussionsplatz für Dinge, die sich mit den großen zentralen Mächten der Enwe auseinandersetzen.
Benutzeravatar
Ikelos
Beiträge: 275
Registriert: Fr 30. Sep 2011, 12:28
Wohnort: Hab ich
Kontaktdaten:

Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Ikelos » So 8. Feb 2015, 15:08

Was unterscheidet einen Gott von einem sterblichen Wesen, was ist das Merkmal der Göttlichkeit?

Zunächst einmal muss vorausgesetzt werden, was ein sterbliches Wesen ist. Immerhin hatten die Elben lange Zeit die Unsterblichkeit und verloren sie dann, obwohl sie keine Götter waren. Als ein sterbliches Wesen betrachte ich die Dinge, die von den Göttern geschöpft wurden und ihr Leben auf der Enwe verbringen. Dabei klammere ich die Enwe selbst einmal bewusst aus, da ich mir bei dieser nicht ganz sicher bin, welche Rolle sie einnehmen soll, sprich ob Göttlichkeit oder ob in großem Maßstab sterblich.

Nun ist die Frage, wie man einen Gott definiert. Das ist die weitaus schwierigere Frage. Natürlich kann man nun sagen, dass ein Gott ein Wesen ist, welches fernab der Enwe lebt und schöpferische Kraft hat und dazu noch unsterblich ist. Es gibt da viele Annahmen, und selbst als Miterschaffer der Welt würde ich mir nicht anmaßen wollen, das Wesen der Götter vollends zu verstehen oder durchstiegen zu haben. Das wäre sowohl mir selbst als auch den Göttern nicht gerecht, denn ich denke, dass obwohl die Götter alle Pläne haben, die von uns Sterblichen entwickelt wurden, ihre Wege am Ende doch nur sehr schwer zu verstehen sind. Was ich damit sagen will: Götter sind einfach rätselhafte Wesen, die für die Welt der Sterblichen einfach nicht in ihrem vollen Umfang zu begreifen sind.

Zunächst einmal ist klar, dass die Götter deutlich über den Sterblichen stehen und im Gegensatz zu den Sterblichen unsterblich sind, wie ich bereits angedeutet habe. Diese Unterschiede sind eigentlich klar und müssen nicht weiter erwähnt werden, und ich denke vielmehr, dass es hier spannend ist, eine Gemeinsamkeit festzustellen. Denn wo die Götter unsterblich sind und schöpferische Kraft haben (hatten?), ist doch die Gemeinsamkeit festzustellen, dass weder Menschen noch Götter allmächtig sind und, noch viel erkenntnisreicher, wenn man unseren unfehlbaren Christengott ansieht, dass die Götter ebenso wie die Sterblichen Fehler machen und hintergangen werden können. Dennoch haben sie eine viel größere Aufnahmefähigkeit als Sterbliche, was es ungleich schwerer gestaltet, die Götter zu hintergehen.

Götter werden verehrt. Dadurch, dass sie verehrt werden, erlangen sie Einfluss auf der Enwe. Sie sind präsent durch das Handeln ihrer Anhänger, da sie selbst diese Welt nicht betreten können. Ein Zeichen für das Fehlen ihrer Allmacht, aber auch ein Zeichen ihrer Macht, dass sie dennoch Macht ausüben können, auch wenn sie nicht selbst vor Ort sind. Man könnte es mit Königen vergleichen, doch sind Könige auf den Ort ihrer Anwesenheit beschränkt, oder eben auf Stellvertreter, müssen sich dabei allerdings darauf verlassen, dass ihre Stellvertreter nicht nach ihrem eigenen Vorstellungen handeln. Ein Gott ist gar nicht anwesend, aber immerhin kann er mehr überblicken. Vielleicht kann man den Vergleich so anstellen, dass ein König zwar auch sehr mächtig ist und durch seine Präsenz beeindrucken und Einfluss nehmen kann, doch ein Gott kann durch seinen Geist deutlich weiter im Voraus planen und langfristigere Ziele erreichen – er hat ja auch mehr Zeit und im Zweifelsfall kann er seine Diener ersetzen, die eh nicht immer in seine Pläne eingeweiht sein werden. So ist aber auch klar, dass ein Gott ohne seine Anhänger nicht auf der Enwe handeln kann. Er hat sich also etwas erschaffen und braucht diese Wesen, ebenso wie diese Wesen ohne den Gott nicht handeln können und schließlich ein gewisses Machtmaß besitzen, indem sie dem Gott einfach die Anhängerschaft verweigern können.

Zum Thema Alleinstellungsmerkmal bleibt zu sagen, dass die Götter es geschafft haben, Leben zu erzeugen. Zwar können auch die Sterblichen Leben erschaffen, doch brauchen sie dazu bereits vorhandenes Leben oder möglicherweise Magie, und dann ist es entweder die Wiederherstellung von Leben oder von Untot. Die Götter haben es jedoch geschafft, wirklich neues Leben zu erschaffen, ohne eine vorher vorhandene Lebensgrundlage.

// Edit: Ich bin nicht wirklich zufrieden mit meiner Antwort

Benutzeravatar
Marnarn
Administrator
Beiträge: 592
Registriert: Do 29. Sep 2011, 20:04
Wohnort: Borgdorf-Seedorf
Kontaktdaten:

Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Marnarn » So 8. Feb 2015, 20:02

Welche Rolle spielt die Mythologie für die Welt und das alltägliche Leben auf der Enwe?

Die Frage kann ich frei heraus für mich beantworten zu Beginn meiner Darstellung: Eine zentrale Rolle spielt sie.
Warum spielt sie eine zentrale Rolle und wie zeigt sich das? Dadurch, dass überall Götter und Monstren durch heitere und eitere Gefilde huschen, und die Welt Macht- und Magieschwämme erlebt? Ist die Bedeutung einer Mythologie nur dann evident, wenn seine Gestalten und Wesen und Objekte überall zu Tage treten? Ich denke, dass an diesem Punkt gezweifelt werden kann, da die Mythologie doch das Zentrale, das Wichtigste, dass Essentielle und Quintessentielle darstellt. Die großen Konflikte, die Sinnfälligkeit, das Außergewöhnliche und das Unerklärliche steht hier deutlich vor der Häufigkeit ihres Erscheinens. Mythologie umfasst also für mich nicht, dass überall Zentauren, Satyrn und Götter mit den Helden um die Wette kreuchen.

Was ist es denn für mich?

Eine Mythologie umschreibt die großen, kulturprägenden Geschichten, welche die Lebenswirklichkeit der an sie Glaubenden oder nach ihr Lebenden konstituiert. Denken wir hier an die magieärmste Welt, die uns bekannt ist und die Wirkung der Mythologie auf diese: Die Erde. Wenn wir von der christlichen Hölle, dem Paradies, von den beinahe unendlichen Lebensspannen von Noah oder Metusaleh denken, wenn wir von brennenden Dornenbüschen reden, welche den Text zu den zehn Geboten offenbaren, wenn wir an die Geschichte des Lazarus denken, der von den Toten wiederkehrt. Denken wir an das Jesus-Martyrium und seine Auferstehung bis zur Auffahrt in den Himmel oder an seine Geburt. Alle jene Punkte, selbst wenn sie an der Grenze von Realität und Mythologie liegen könnten, sind in moderner Lesart mythologisch, weil sie jedes Jahr begangen werden. Aus einer mythologischen Grundgeschichte wird religiöser Ritus, und dadurch, dass es Ritus wird, wird es zum Alltagsgebrauch, selbst in einer Welt oder einer Gesellschaft dieser Welt, die sich selbst für entmystifiziert und aufgeklärt hält.

Das heißt, für das Spielgefühl und die Wirkungsmacht von Mythologie verhält es sich wahrscheinlich genauso wie mit meinem Beitrag zu den Göttern. Für die Wirkungsmacht ist es völlig unerheblich, ob die Hintergründe der Mythologie real sind oder ob sie insgesamt plausible Geschichten erzählen, ob sie plausible Hirngespinste oder abstruse Hirngespinste sind. Es ist also weitaus unwichtiger (zuerst einmal), was ihr Ursprung und ihr Wahrheitsgehalt ist, sondern was davon geglaubt wird, was befolgt wird und welche Konsequenzen das für die Spielwelt hat. Insofern können auch jedwede mythologische Geschichte den Alltag der Enwe prägen, so wie wir durch kirchliche Feiertage, die Benennung unserer Wochentage nach nordischen Göttern und die Benennung der Planeten nach griechisch-römischen Göttern multimythologisch geprägt sind, und eben in unterschiedlicher Intensität je nach Volk oder Gruppe innerhalb eines Volkes. Für uns eher weltlichen Menschen ist Weihnachten vor allem ein Konsumfest, für treue Christen ist es eine Besinnungszeit, in der auch liturgische Pflichten erledigt werden. Für manche sind die Vorgaben von Religionen Beschneidungen ihrer Freiheit, für andere Ausdruck ihrer Lebensführung usw. usf. Das mythologische Geflecht lässt also das wirkliche Vorkommen der mythologischen Gestalten frei skalierbar und dementsprechend muss eigentlich nur sichergestellt werden, dass es solche Verknüpfungen wie auf unserer Erde gibt, dass Mythologie indirekt und direkt (Wochentage vs. Rituale bspw.) im Alltag eine enorme Rolle spielt.
Und diese Rolle sollte der Mythologie zukommen. Auch hier kann ich wieder dafür plädieren, dass gerade eine paar Punkte aus der Mythologie immer mal wieder auftauchen, um dem Rahmen der Welt nicht aus den Augen zu verlieren, gleichsam natürlich um lokale Feinheiten ergänzt. Sobald dies getan ist, und diese Mythologie eben in den indirekten und direkten Alltag integriert ist, geht es dann erst um die Skalierung der Mythologie, also ob ich die Gestalten aus jener wirklich auftreten lasse, um Zweifel an der Mythologie abzustellen, ob ich sie dann gegebenenfalls eben nicht auftreten lasse, um Leute an der Mythologie zweifeln zu lassen oder ob ich eben viele Gestalten zum Niedermetzeln haben möchte, obwohl oder gerade weil sie zum mythologischem Überbau gehören, oder ob sie dosiert und storyspezifisch eingesetzt werden, oder, oder, oder. Definitiv würde ich das frei nach Gegend skalierbar lassen, wenn auch gleich die Tendenz eindeutig in die Richtung einer Low-Magic-Welt geht, die sich eher nach der Artus-Sage anfühlt und nicht wie Eberron, aber das soll nicht ausschließen, dass es vielleicht an dem einen oder anderen Ort eine Häufung solcher Vorkommnisse gibt (man denke an die Giordanica).

Der Vorteil der von mir beschriebenen Lesart läge darin, dass wir über die Anzahl der Kreaturen, Monster und Götter und ihr Vorkommen andeuten können, wie magisch die Welt ist oder einst war, aber Mythologie davon recht unbetroffen sein kann. Die griechische Mythologie trieft von Helden und mythischer Gestalten und viele Jahrhunderte war der Ritus der Stadtstaaten darauf ausgerichtet, obgleich diese Helden in der mythischen Lesart nie real waren, aber sich eben so real anfühlten, dass Alexander der Große oder römische Kaiser sich als gottgleich verehren ließen, um sich eben in diesen mythischen Ritus einzureihen. Und dieser realweltlicher Alltag des Ritus überstrahlt eindeutig die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Tatsache der Göttlichkeit.

Die entscheidende Tatsache liegt also in der kulturellen Bedeutung, und mythologischer Überbau heißt kulturelle Gesamtorientierung und hier einen gemeinsamen Ursprung zu wähnen, liegt im Interesse der Welt (Enwe Karadas = Eine Welt, ein Körper) und in der ursprünglichen Schöpfung. Davon nun ausgehend, haben wir eine Geschichte des Zerbrechens gewählt. Das Magiegefäß zerbricht, der Superkontinent zerbricht, die geschöpften Völker zerfallen in evolutionäre, eigenständige Untervölker, die Gesamtmythologie des Anfanges dünnt sich aus in viele, viele lokale Einflüsse, die wechselwirken auf die Mythologie. Es vollzieht einen doppelten Schritt, denn damit beschreibt unsere Arbeitsweise die Welt, wir gehen von den ersten, einfachen Grundideen in die Komplexität, und die Welt wird eben von einer göttlich-schöpferischen Grundordnung in das Chaos der unendlichen Möglichkeiten geworfen. Mythologie gibt hier aber rückbeziehend noch immer eine Grundordnung zur Lebensgestaltung auf, und insofern ist sie für den Alltag von Bedeutung und wir sollten ihr diese Bedeutung zugestehen und sie in den Vordergrund rücken. Denn je unübersichtlicher eine Welt wird, desto mehr sehnen sich die Menschen nach einer schwer veränderlichen und festen Ordnung, an der sie ihr Leben ausrichten können.
"Charakter ist ein Fels, an welchem gestrandete Schiffer landen und anstürmende scheitern." - Jean Paul, Levana

Benutzeravatar
Marnarn
Administrator
Beiträge: 592
Registriert: Do 29. Sep 2011, 20:04
Wohnort: Borgdorf-Seedorf
Kontaktdaten:

Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Marnarn » Mo 9. Feb 2015, 15:41

Was unterscheidet einen Gott von einem sterblichen Wesen, was ist das Merkmal der Göttlichkeit?

Diese Frage werde ich nicht im Umfang von 1000 Wörtern beantworten können, aber da das Fundament für die Beantwortung dieser Frage bereits in meinem Beitrag verankert ist, was ein Gott der Enwe für mich ist, kann ich einen Einblick geben. Deswegen werde ich mich auf ein paar Unterschiede zu Nichtgöttern ziehen und welche Bedeutung das für die Enwe haben könnte.

Wie bereits beschrieben ist für mich unbrauchbar, dass Götter physische Körper haben und als solche erkennbar sind. Für mich ist ihre Körperlichkeit nachteilig, auch wenn es keine Rolle für Macht und Einfluss spielt. Die Götter sind in meiner bisherigen Vorstellung komplexe Ideen, die je nach Religion unterschiedliche Ausformungen in Wechselwirkung mit der Welt erhalten. Das entscheidende Element ihrer Göttlichkeit, also das Merkmal ist - wenn auch nicht alleine - ihre Ungreifbarkeit und Unbegreiflichkeit als ganze, komplexe Idee. Das, was der Philosoph Karl Jaspers bereits für den Menschen festgestellt hat, gilt in potenzierter Art für die Götter:

"Denn der Mensch als Ganzes liegt hinaus über jede faßliche Objektivierbarkeit. Er ist unvollendbar als Wesen für sich selber und als Erkenntnisgegenstand für den Forscher. Er bleibt gleichsam offen. Der Mensch ist immer mehr als er von sich weiß und wissen kann." - Karl Jaspers, Mitverantwortung

Können die Götter sich selbst begreifen und ergreifen? Möglicherweise liegt darin ihre Macht. Wie Ideen sind Götter zeitlos, hermeneutisch am Ende unfassbar. Sie besaßen zudem einst die Schöpfungsmacht (die wir ihnen im Zuge der Magieerstellung weggenommen haben, um ihre Greifbarkeit weiter einzuschränken). Sie sind bei uns nicht allmächtig, sondern tatsächlich eher den nordischen, griechischen oder vergleichbaren polytheistischen Götterwelten angepasst. Aber eben mit Ausnahmen: Sie sind nicht auf den Körper per se angewiesen (auch wenn es körperliche Beschreibungen gibt, wie den Fall des Draktharius, oder Fleischwerdung des Barafeia), und sie sind ein stückweit Schroedingers Katze, das heißt, dass sie gleichzeitig existieren und nicht existieren können, bis man sie eben objektivierbar untersuchen kann, was wiederum eben durch ihre Ungreifbarkeit eben nicht funktioniert, und sie somit immer in diesem Überlagerungszustand aus lebendig und tot bleiben können.

Der Mensch unterscheidet sich in vielen Punkten, in aller erster Linie aber dadurch, dass er körperlich fassbar und damit anfassbar ist, zudem ist er wahrnehmbar (selbst wenn er durch Magie körperlos wäre), er ist ganz sicher existent, denn ansonsten ist er kein Mensch mehr, sondern eine Leiche. Er befindet sich nicht in diesem Zwischenzustand und bei ihm ist es für ihn und andere nicht unerheblich, ob er existent ist oder nicht (in Sachen des Spielzusammenhanges), zudem ist er möglicherweise zwar unsterblich, doch gleichwohl nicht zeitlos. Wie können Sachen zeitlos, also ewig sein, wenn sie sterben? Widerspricht Draktharius Tod dem nicht? Nein. Der Körper Draktharius ist tot, die Idee Draktharius lebt weiter (in unserem Fall in Liontari), das hat etwas mit Benennung und Zuordnung zu tun. Hier ist der Wortrahmen sicher nicht ausreichend, um das zu seiner Gänze zu behandeln, aber anhand des Jaspers-Zitats dürfte meine Lesart vielleicht nachvollziehbar werden. Anhand des Zitats lässt sich der Unterschied zumindest illustrieren. Der Mensch bleibt als Ganzes unfassbar, ist aber immerhin grob objektivierbar, weil er eben ein greifbares Wesen ist, auch wenn sein Horizont bereits über den Verstand des Betrachters, der Betrachter oder gar der Menschheit hinausgehen könnte, dürfte, vielleicht sogar müsste. Im Gegensatz dazu gilt dies eben viel stärker für die Götter, die eben noch neben der Unfassbarkeit ungreifbar und damit unbegreiflich bleiben. Gerade deswegen dürften sich in vielen Diskussionen über die Existenz Gottes die Diskussion am Ende auf seine Körperlichkeit verengen, und damit glaubt man durch Körperlichkeit seine Existenz beweisen zu können (siehe den Gottessohn Jesus) oder durch ein mögliches Nichtentdecken der Körperlichkeit die Existenz anzuzweifeln. Diese Verengung ist die Hoffnung auf die Greifbarkeit und damit die Objektivierbarkeit von möglicher Göttlichkeit, weil sie unserer Art Erkenntnisse zu gewinnen, gerecht würde. Die greifbaren Dinge eben begreifbar zu machen, durch Beobachtung und Erfahrung im Umgang. Dieser Möglichkeit gebieten wir also auch - wenn mit dieser Idee gelebt werden kann - dadurch Einhalt, in dem wir im Überbau diese Möglichkeit ausschließen, und damit gegebenfalls Spielern und Spielleitern, die sich mit der Welt beschäftigen, die Möglichkeit geben, mit der Existenz der Götter nach ihrem Gutdünken zu spielen. Ein sehr entscheidender Unterschied zu sonstigen Spielwelten, in denen, durch die Kleriker, die Domänen und die Art und Weise wie die Götter beschrieben werden, ihre Existenz einfach als evident angenommen wird für den Spielverlauf und welche deswegen eben Spielereien wie atheistische Bünde und dergleichen eben unwahrscheinlich oder glaubwürdig werden lassen, und sie auch antitheistische Bünde zusammenschrumpfen, also meist auf irgendwelche Mächte, welche vielleicht die Götter töten wollen.

Davon ausgehend kann schnell klar werden, kann es aber auch schwierig werden, die Grenze zu ziehen zwischen sterblicher Welt und göttlicher Welt, deswegen sein mit wenigen Worte diese Sonderformen aus meiner Sicht dargestellt.

1. Die Enwe könnte fälschlicherweise als gottgleich angesehen werden, die für die Enwe ist jedoch nach unserer Unterredung über die Magie klar, dass sie nicht zeitlos ist (ihr Überleben hängt eben auch an äußeren Faktoren, wie Leben der Sonne, Orbit in Goldilockes Zone und dergleichen), aber sehr langlebig und mächtig ist, und sehr wahrscheinlich eben keinen Zugriff auf planbare Schöpfungsmagie hat, aber eben evolutionäres Chaos, welches die Schöpfung verändert durch die von ihr nicht akut kontrollierte Macht.

2. Barafeia, Ozric und Adeodatus sind Sonderformen, die sicherlich hier verständnismäßig (ähnlich wie Draktharius) in diese Theorie eingesetzt werden müssen. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass nichtgöttliche Teilnehmer der Seelenjagd eine besondere Macht haben durch diese Anhäufung von Magie und gleichwohl ungöttlich bleiben müssen. Sie sind nämlich körperlich und damit in dieser Hinsicht greifbar, wenn auch nach existenziellen und geistigen Punkten nicht ausreichend begreifbar (ähnlich wie der Mensch bei Jaspers, vielleicht noch etwas mehr, durch die größere Macht). Jetzt wäre die genaue Frage, wie das für diese Halbgötter aussieht. Spontan würde ich denken, dass sie die Idee hinter der Jagd sind, und an sich auch körperlos, aber eben über diesem Apparat dahinter stehen, also Barafeia für die Teufel oder Adeodatus für die körperlichen Engel.
"Charakter ist ein Fels, an welchem gestrandete Schiffer landen und anstürmende scheitern." - Jean Paul, Levana

Benutzeravatar
Marnarn
Administrator
Beiträge: 592
Registriert: Do 29. Sep 2011, 20:04
Wohnort: Borgdorf-Seedorf
Kontaktdaten:

Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Marnarn » So 15. Feb 2015, 16:43

Wie wird die Mythologie der Enwe handwerklich entstehen?

Diese Frage unterscheidet sich deutlich von den anderen Fragen, die eher nach dem Wesen der Mythologie getastet haben. Diese Frage will sich wirklich mit dem handwerklichen Vorgehen beschäftigen und ich will zugeben, dass mir diese Frage nicht so einfach von den Fingern gehen will, aber vielleicht kann ich mich langsam im Laufe der nächsten 900 Wörter da reinfühlen.

Die naheliegendste Entscheidung dürfte zunächst die gängige Variante einer zehnwöchigen Challenge mit gleichzeitiger Arbeit an einzelnen Aspekten sein, doch will ich nicht verhehlen, dass ich dies für diese Erstellung für ungeeignet halte. Wenn wir uns dazu entscheiden, eine zusammenhängende Gesamtgeschichte für den Überbau der Mythologie zu schaffen, halte ich es nicht für geboten, dass wir gleichzeitig an unterschiedlichen Aspekten arbeiten. Sollten wir uns für Variante entscheiden, in der wir mythologische Geschichten aneinanderstückeln, dann wäre das möglich, aber an dieser Art von mythologischer Erarbeitung bin ich nicht interessiert, weil sie wieder unzusammenhängend ist. Wie gehen wir also damit um?

Denkbar wäre es, wenn man sich nicht anders koordinieren möchte, dass wir auf Redundanz arbeiten im Challengestil. Das würde bedeuten, dass eine Reihenfolge von Arbeitsschritten oder Themen vereinbart würde, und jede Woche beide am selben Thema arbeiten und die jeweils bessere und passendere Variante genommen würde. Das fände ich persönlich aber unglücklich, weil man jeden Beitrag gegeneinander aufrechnen müsste.
Eine zweite Möglichkeit läge in einer Verzögerung des Rhythmus und eine aufeinander aufbauende Arbeitsweise. Da würden auch die Arbeitsschritte und/oder die Themen vereinbart werden, aber man würde auf den Erarbeitungen des anderen aufbauen. Hierzu müsste der Rhythmus aber verändert werden, damit nicht nur im Zweiwochentakt neue Dinge entstehen. Denkbar wäre beispielsweise, dass ich immer bis Mittwoch mein Ergebnis vorlegen muss und du dann bis Sonntag darauf reagieren musst. So hätte jeder für seinen Teil größtmögliche Entscheidungsfreiheit, und muss trotzdem darauf achten, dass er auf das Vorgearbeitete reagieren muss. Das sind letztendlich die beiden Varianten, die ich für gängig, wenn auch unglücklich, halte, sollten wir uns für eine klassische Herangehensweise entscheiden.

Es könnte sich in dieser Grundsteinlegung auch anbieten zu den Skype-/TS-Sitzungen zurückzukehren und die Zusammenarbeit wieder ernsthaft zu koordinieren und auszuwerten. Hier könnte man ein Arbeitsäquivalent annehmen, also dass die Beantwortung einer Frage mit 1000 Wörtern in etwa eine Stunde Arbeit kostet mit Gedankenmachen. Das heißt, dass wir momentan bis zu zwei Stunden an wirklicher Arbeit aufwenden. Jetzt ist TS etwas zeitfressender, weil man einen Termin koordinieren muss und schnell im Gespräch abschweift. Deswegen würde ich dahingehend vorschlagen, zu sagen, dass man Sonntags für zehn Wochen lang sich maximal 45 Minuten für TS nimmt und in dieser Zeit dann versucht aktiv zu arbeiten. Die restliche Arbeitsleistung kann man vielleicht auf 30 Minuten festlegen, nämlich ein kurzes Protokoll und wer möchte, kann noch vielleicht 45 Minuten Vorbereitungszeit festlegen für sich, sodass wir maximal dieselbe Arbeitsleistung aufbringen müssen. In diesem Fall würde man auch einen Fahrplan entwickeln, Arbeitsbereiche abstecken, aber eben jeden Part in Absprache zusammenentwickeln können und viel leichter auf abzweigende Fragen reagieren, die sich sicher ergeben werden, da wir sicher noch nicht genau wissen, was wir in der Mythologie haben wollen und was nicht. Dafür böte sich bei so einem komplexen Thema eine Voice-over-IP-Verbindung auf alle Fälle an. Ich denke auch, dass wir das dann zu zweit durchziehen werden, weil Quecksilber wahrscheinlich nicht daran teilnehmen wird, möchte oder sonstwie irgendwelches µ an Arbeit investieren möchte, auch wenn er sich das sicher anhören würde und mal einen Kommentar hinterlassen würde.

Wie wir uns dort auch entscheiden mögen, stellt das noch nicht sicher, wie wir das handwerklich herstellen und wie genau die Mythologie nachher aussieht. Wenn wir uns jetzt anschauen, wie klassische Mythologien aussehen, finden wir oft Darstellungen aus dem Bereich der Epik und der Lyrik, und auch hier kann ich nicht verhehlen, dass mich das schon ein Stück weit reizen würde, wenn wir unsere sprachlichen Qualitäten mal auch in Sachen Metrik und Lyrik schärfen würden und versuchten, unsere Mythologie durch einen Barden der Giordanica katalogisiert und lyrisch verpackt zu sehen.
Wie mehrfach geschrieben, bin ich definitiv gegen eine beliebige Zusammenstellung von Fakten und mythologischen Geschichtchen und würde mich über eine zusammenhängende Darstellung erfreuen. Das ist für mich eine absolute Voraussetzung, wie die weitere Erarbeitung aussieht, bin ich offen. Ich kann mir neben dem Weg der klassischen Epik durchaus auch vorstellen, dass man andere Methoden findet. An einer klassisch-prosaischen Darstellung, die einfach Teil für Teil abhandelt, hätte ich weniger Interesse. Was ich mit anderen Ansätzen meine, kann ich in einem spezifischen Teil schreiben, den ich an den Abschluss stellen möchte.

Meine Beispielidee wäre es, unsere Mythologie wie im Museum vorzustellen. Wir beschreiben also wie unser Barde, wenn er es schon nicht lyrisch aufarbeiten kann, eine Gruppe Ungenannter (die Spieler) durch das Mythologische Museum der Giordanica führt. Jetzt werden Kunstwerke beschrieben, die ikonische Situationen aus der Mythologie darstellen. Und dann erklärt unser Barde den Unbenannten, was es mit dieser Ikone auf sich hat in einer Art Monolog oder vielleicht sogar Dialog. Vielleicht sind es auch zwei Barden oder Philosophen oder Giordaniker, die vor den Unbenannten anfangen über das Wesen der Mythologie zu streiten.
Auf diesem Wege hätten wir auch eine alternative Variante, die Mythologie vorzustellen und gleichzeitig anzudeuten, dass die Welt an diesen möglichen Wahrheiten oder Erzählungen zweifelt. Wir hätten ein glaubwürdiges Werkzeug dafür gewählt, und wären gleichzeitig damit beschäftigt, unsere Ideen zur Mythologie in ein aussagekräftiges Bild voller Symbolik und Allegorie zu packen. Diese Allegorien können später dann auch leicht in Kampagnen, Szenarien und One-Shots genutzt werden, um auf diese mythologischen Ereignisse zu verweisen, ohne dass man immer die ganze Geschichte erzählen müsste. Diese Idee ist quasi in dem begründet, was ich damals mit Menthir und den Früchten der Versuchung versucht habe, und was in mehreren Kampagnen schon eben genau diese allegorische Rolle für die Welt gespielt hat. Und genau das könnte ich mir anhand dessen gut vorstellen, dass die Geschichten nicht nur erzählt werden, sondern mit einem Bild verbunden werden, welches nun flexibler und spontaner in bestehende Geschichten eingebaut werden kann, und die Mythologie so lebendig wirken lässt.
"Charakter ist ein Fels, an welchem gestrandete Schiffer landen und anstürmende scheitern." - Jean Paul, Levana

Benutzeravatar
Ikelos
Beiträge: 275
Registriert: Fr 30. Sep 2011, 12:28
Wohnort: Hab ich
Kontaktdaten:

Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Ikelos » So 15. Feb 2015, 17:20

Wäre es eine Möglichkeit, die Scheinwelt, die derzeit bei Storm of Vengeance existiert, auch auf die gesamte Enwe auszubreiten und somit der Tabula Rasa eine noch größere Gewichtung zu geben?

Die Scheinwelt ist ein Prinzip, welches auf die gesamte Welt gesehen sehr schwierig umzusetzen ist. Dass etwas nicht so ist, wie es erscheint, mag auf einem kleinen Bereich möglich sein, aber die ganze Welt anders erscheinen zu lassen, als sie wirklich ist? Das stößt vorrangig auf ein Problem. Die Welt in einer Form zu gestalten ist schwer genug, aber noch eine Scheinwelt oder eine wahre Welt zu erschaffen dürfte für uns vom Arbeitspensum her kaum zu wuppen sein.

Prinzipiell stell ich mir die Thematik aber interessant vor. Ich stelle mir die Möglichkeit vor, wie ein großer, durchlässiger Schleier auf der Enwe liegt und so an vielen Stellen Phänomene wie eben in Chuang erzeugt. Eben dass die Scheinwelt die wahre Welt überlagert und nur einige wenige, die sich die geistigen Fähigkeiten dafür erzeugt haben, hinter den Schleier blicken können, um dort das wahre Sein der Welt zu erblicken. Dies erzeugt auf der Enwe auch einen netten Dualismus zwischen Sein und Schein und gibt der Welt etwas Interessantes, was sich lohnt zu erforschen. Ebenfalls könnte sich das aber auch auf die Bewohner auswirken. So könnte es passieren, dass durch den Schleier Tiere zu gefährlichen Wesen werden. So zum Beispiel die Elefanten, die plötzlich dämonische Züge annehmen. Wodurch wird die ganze Sache genährt? Richtig, durch Magie. Um damit auch einen Aspekt aus der SoV-Runde mit einzubauen. Magie kann den Schleier verändern und durch viel Magie entsteht eben auch viel Scheinwelt. Aber ich will gar nicht zu sehr auf die einzelnen Mechanismen dieser Möglichkeit eingehen. Du kennst die Scheinwelt besser als ich, ich hab nur einen kleinen Einblick dort hinein.

Nun die Frage, was diese Frage überhaupt mit der Mythologie der Enwe zu tun hat. Auf den ersten Blick sieht das aus wie ein einfacher Schleier, der das Land überzieht und somit vielleicht ein Einzelaspekt ist, aber tatsächlich wäre eine solche Idee sehr maßgeblich für die Mythologie. Der Schleier wäre möglicherweise ein mythologischer Schleier, auf jeden Fall könnte er einige Mythologien erzeugen und so Monster und Gerüchte erzeugen, die hinter dem Schleier vielleicht gar nicht existieren würden. So denke ich, dass die Frage für eine Mythologie durchaus berechtigt ist, da über den Schleier auch Gerüchte aufkommen würden.

Was man mit dem Schleier also machen könnte, wäre einige Völker so darzustellen, dass sie auf Menschen aufgebaut sind und hinter dem Schleier auch als solche erscheinen, durch den Schleier jedoch anders erscheinen. Das geht freilich nicht mit allen Völkern, und ich würde auch einige Völker beibehalten, aber mit abgefahreneren Völkern wie den Leoniden könnte man das durchaus machen. Hätte das Auswirkungen auf die Wirkweise der Magie? Wahrscheinlich eher nicht. Und die Götter? Die dürften den Schleier natürlich ebenfalls zu sehen bekommen und damit nicht den größten Einfluss auf die Enwe haben. Ich kann mir sogar vorstellen, dass der Schleier eben deshalb entstanden ist, um die Götter stellenweise von der Enwe fernzuhalten. Etwa ein Plan von Phrenesis, um die Enwe stellenweise zu stärken und so den Konflikt zu verschärfen, sodass der Kampf größer und die Welt stärker in Mitleidenschaft gezogen wird? Durchaus möglich, aber kommen wir nach den Möglichkeiten nun zu den Schwierigkeiten.

Konfliktpotential ja, aber wie schon erwähnt ist das ganze sehr schwierig umzusetzen. Außerdem würden viele interessante Dinge wahrscheinlich der Vergangenheit zugehören und die Enwe könnte so eine Plattform für die seltsamsten Dinge in den Spielrunden bieten. Spätestens, wenn die Enwe tatsächlich irgendwann einmal öffentlich genutzt wird, bietet sich so der Spielraum für ganz seltsame Wesen, die wir ja bewusst rausgenommen haben. Hinzu kommt, dass der positiv genutzte Schleier auch negativ erscheinen kann. Denn großflächig kann man das nicht einsetzen, ohne in der Hinsicht logische Lücken aufzuweisen. Und wenn die Götter von dem Schleier wissen, warum dann nicht auch die Menschen, denen sie Botschaft schicken, um den für sie unbequemen Schleier zu entfernen?

Daraus folgt, dass der Schleier bekannt sein muss, was ihm den Reiz am Ende nimmt, zumindest wenn der Schleier flächendeckend existiert. Deshalb komme ich hier bereits zu dem Schluss, dass der Schleier für die Enwe nicht die beste Idee ist. Er sollte regional bleiben und dort so auch weiterhin genutzt werden. Dennoch bleibt die Idee interessant und könnte mit einer vernünftigen Umsetzung für eine weitere Belebung der Enwe sorgen. So zum Beispiel durch eine Gesellschaft die der Ordo, welche davon überzeugt ist, dass es den Schleier gibt und somit aneckt oder zumindest neue Reizpunkte in der Gesellschaft setzen kann.

Zuletzt noch vielleicht eine Idee, wie man das vielleicht doch noch umsetzen kann. Das wäre eine Ausbreitung auch auf die Götter. Dies wäre wohl zu krass und zu mächtig, aber für mich die einzige Möglichkeit, wie man den Schleier ohne Logiklücken auf die Enwe loslassen kann. Letztlich muss ich die Hauptfrage jedoch mit einem nein beantworten, wenngleich die Tabula Rasa vielleicht sogar selbst als ein Schleier verstanden werden kann, die sich auf die Erinnerung der Menschen gelegt hat.

Benutzeravatar
Marnarn
Administrator
Beiträge: 592
Registriert: Do 29. Sep 2011, 20:04
Wohnort: Borgdorf-Seedorf
Kontaktdaten:

Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Marnarn » So 15. Feb 2015, 17:36

Was fällt auf der Enwe alles in den Bereich der Mythologie – gibt es Abgrenzungen zwischen häufigen und seltenen Vorkommen, zwischen wichtigen und unwichtigen Vergangenen Ereignissen – oder kurz: Was ist alltäglich und ab welchem Punkt beginnt die Mythologie?

Die kurze Variante der Frage impliziert den Gedanken, dass Mythologie und Alltag sich auszuschließen haben. Ich möchte diese Frage mit dem Mythos des Sisyphos beantworten, der aufgrund seiner Anmaßung aufgrund seines hohen Intellektes an seinen Marmorblock gebunden wurde, und dessen ewige Aufgabe es ist, diesen Marmorblock den Berg hochzuschaffen, nur um ihn wieder herabrollen zu sehen und von vorne beginnen zu müssen. Sisyphos ist also für mich ein sehr schlagendes Beispiel, dass das Durchquälen durch den Alltag sehr mythisch sein kann. Sisyphos steht damit in der griechischen Mythologie nicht alleine. Denken wir beispielsweise an die Strafe des Zeus für Prometheus, als er diesen an den Kaukasus band und jeden Tag der Adler Ethon angeflogen kam, um des Prometheus Leber zu fressen, die sich dann wieder regenerierte, und das Tag ein, Tag aus über Jahrhunderte, ehe Herakles Prometheus endlich halbwegs befreite (er musste bekanntlich noch einen Stück Kaukasus bei sich tragen, damit Zeus sich rühmen konnte, Prometheus sei noch immer an den Stein gebunden). Das deutet sogar etwas an, nämlich dass die Mühlen der Mühsal mit dem Alltag verbunden sind. Die Unterscheidung, die du vielleicht mit deiner Frage auch meinen könntest, ist also eher, wann beginnt das Alltägliche und wann das Heroische? Der Alltag im griechischen Mythos scheint nämlich vielmehr den gebrochenen und besiegten Helden als Strafe zu begegnen, und in diesem Sinne seine schärfste Ausformung zu finden. Letztendlich sind es also nicht alleine die Strapazen und die Schmerzen, welche die Strafe ausmachen, sondern die unausweichliche Wiederkehr. Ein Bild, was wir alle instinktiv mit einem abwechslungsarmen Alltag verbinden, wenn unser Leben nur noch aus Routine und Mühsal besteht. Und in philosophischer Hinsicht ist es erst Camus, der uns aus diesem Bild zu holen versucht in seiner Lesart des Sisyphos.

„Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. [...] Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Darüber hinaus weiß er sich als Herr seiner Tage. In diesem besonderen Augenblick, in dem der Mensch sich seinem Leben zuwendet, betrachtet Sisyphos, der zu seinem Stein zurückkehrt, die Reihe unzusammenhängender Handlungen, die sein Schicksal werden, als von ihm geschaffen, vereint unter dem Blick seiner Erinnerung und bald besiegelt durch den Tod. Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. Noch rollt der Stein. […] Dieses Universum, das nun keinen Herrn mehr kennt, kommt ihm weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

Mythologie hat für mich also wenig mit dem häufigen oder seltenen Vorkommen zu tun, noch nicht einmal etwas mit dem Heroischen oder Unheroischen. Der Mythos ist überall, in unterschiedlicher Intensität, da er wie in meiner Darstellung einer ähnlichen Frage eben in der kulturellen Selbstwahrnehmung zu sehen. Die ist bei Völkern unterschiedlich, aber eben in unserer Welt gibt es die gemeinsame Wurzel. Wo ist der Mythos nicht? Diese Frage muss für die Enwe also anders beantwortet werden, also aus einem anderen Blickwinkel, denn der Mythos ist an sich weitestgehend real, weil wir die Schöpfung für die Welt annehmen, gleichwohl gerät die Schöpfung und die Wurzel in Vergessenheit (ich denke, darauf haben wir uns im Laufe dieser Fragen und vorher geeinigt). Also grundsätzlich würde alles in den Bereich des Mythos fallen, außer dort, wo der Mythos bereits in Vergessenheit geraten ist und verdrängt wird. Da gibt es mehrere Dinge, die dafür sorgen. Einmal der Machtverlust der Schöpfergötter und der Beginn der unabhängigen Evolution (auch in den geschöpften Viechern), der an sich ein mythisches Ereignis ist, aber eben Bahn bereitet für eine Lehre des unabhängigen Logos, welches ja unter anderem auch bedingt, dass der Ordo Cogitationis eine Weltsicht entwickeln kann, die trotz des Hintergrundes oder gerade wegen des Hintergrundes plausibel genug ist, dass sie als wahr anerkannt werden kann in manchen Gebieten der Welt, denn Magie, die Evolution von Wesen und dergleichen lassen sich eben auch wissenschaftlich oder durch das Logos fassen, und sich somit die Götter weiter verneinen, der Mythos weiter zurückdrängen. Das ist für mich die entscheidende Demarkationslinie, an der vielleicht irgendwann der Punkt stehen könnte, an dem man wie in deiner Kurzfrage zwischen Alltag und Mythos unterscheiden kann.

Es ist nämlich durchaus denkbar, dass ein Großteil der magischen Monster ebenso wie die Magie eine mythische Grundlage haben, aber sobald sie in den Alltag des Logos integriert sind, sind sie nur noch natürlich entstandene oder durch Evolution veränderte Wesen, welche sich ihren Lebensumständen angepasst haben und somit ein erklärbarer Teil dieser Welt sind, wie jeder andere Teil eben auch. Ich erlaube mir also festzustellen, dass dein oben genannter Alltag ein Alltag des Logos ist, während wir momentan noch einer Welt haben, in der der Alltag des Mythos die beherrschende Macht ist. Dementsprechend wäre es dann so, dass je durchwirkender und allgegenwärtiger ein entmystifizierter Logos die Perspektive auf die Welt prägt, desto eher wurde anfangen all deine Ausgangsfragen zu beantworten, weil die Fragen dann kommen, wie dieser Logos reagiert, wenn ein mythischer Drache aus den Geschichten auftaucht und sich als real erweist: Folgt man dann dem Logos und versucht auch diesen Drachen "rational" zu erklären, oder wendet man sich wieder dem Mythos zu? Es bildet sich wieder eine Demarkationslinie zwischen den beiden Konzepten, und nun würde man, weil der Logos in Frage gestellt scheint, vermehrt nach Häufigkeit der mythischen Vorkommen (Wunder, Wesen aus den Sagen) fragen und sie diesen Kampf wieder ausfechten lassen. Das würde dann den logischen Alltag in Frage stellen.
"Charakter ist ein Fels, an welchem gestrandete Schiffer landen und anstürmende scheitern." - Jean Paul, Levana

Benutzeravatar
Ikelos
Beiträge: 275
Registriert: Fr 30. Sep 2011, 12:28
Wohnort: Hab ich
Kontaktdaten:

Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Ikelos » So 15. Feb 2015, 21:51

Wie wird die Mythologie der Enwe handwerklich entstehen?

Das ist ja bislang immer unser Problem gewesen, dass wir immer gute Ansätze hatten und es dann schließlich an der Umsetzung gescheitert ist. Das sollte hier nicht wieder geschehen, aber ich denke auch, dass wir gerade durch die Challenges in den letzten Monaten immer ein gutes Pensum geschafft haben. Seien es Szenarien, die Zombieaspekte, die Drachen oder die Kontinente gewesen. Jede Challenge hat am Ende viele gute Ergebnisse hervorgebracht, und wir haben uns dabei meiner Meinung nach auf einem hohen Niveau bewegt. Alleine durch den Druck des Abgabetermins haben wir doch immer zuverlässig gearbeitet und wenn nicht, dann das zu leistende zumindest nachgeliefert.

Aber ist ein großes Projekt wie die Mythologie der Enwe auch in einer Challenge abhandelbar? Spielen wir das doch mal eben durch. Alleine um die notwendigen Teile abzudecken bräuchten wir ewig viele Wochen, um etwas zustande zu bringen. Und wie würden wir das machen wollen? Bisher liefen Challenges in der Art eher so ab, dass wir parallel an Dingen gearbeitet haben, die am Ende beide existieren dürfen. Es hatte also den Effekt, dass man die Motivation hatte, etwas Bleibendes auf der Enwe zu erschaffen. Das lässt sich hier schwer umsetzen. Man müsste den Bereich wenn dann aufteilen und schließlich wieder geteilt voneinander bearbeiten, aber da ist dann die Frage, wie man das unterteilen will, und es bleibt die eingangs gestellte Frage, wie man das umsetzen kann. Sowohl zeitlich als auch vom Umfang her. Ich würde von solch einer Challenge absehen.

Und das in anderem Umfang abarbeiten. Ich sehe dazu zwei Tage als Workshop. Dazu mit Vorarbeit um die für den ersten Tag angesetzten Arbeiten auch gleich angehen zu können und nicht ewig warten zu müssen. Mein Vorschlag dazu wäre, dass wir uns vorher mit dem Thema beschäftigen und eine Aufgabenliste erstellt wird, was alles abgehandelt, gebaut und besprochen werden muss, diese dann in eine Tagesordnung gebaut wird und wir diese dann an dem Tag umsetzen. Wie viele Tage es letztlich werden, zwei ist bisher nur der unrealistische Platzhalter, sei mal dahingestellt, denn ich denke, dass hier viel Arbeit auf uns wartet. Der eigentliche Akt der Arbeit dann wird an dem Tag in Workshop-Form umgesetzt. Da wir uns ja darauf vorbereiten, können wir unsere Gedanken dazu jeweils diskutieren und das dann schriftlich festhalten. Vielleicht sind ganze Tage dazu allerdings etwas zu krass, selbst wenn man Essenspausen einbaut. Von daher würde ich sagen, dass man sich vielleicht späten Vormittag trifft, den Tag über arbeitet und abends dann einen Spielabend dranhängt, gewissermaßen als Belohnung für die harte Arbeit des Tages.
Das ganze ginge sicherlich auch per Skype, aber ich denke, dass da der Ablenkungsfaktor recht groß sein könnte über einen längeren Zeitraum. Persönlich vor Ort kommt glaube ich mehr dabei herum. Zwei Arbeitsplätze können wir ja dennoch haben, wenn beide Laptops da sind. Dazu den geselligen Effekt der Essenspause, Platz für Skizzen etc. Ich sehe die Vorteile in diesem Fall klar bei Tisch und nicht bei Skype/TS.

Das Treffen selbst ist jedoch nur ein Teil der Hauptarbeit. Im Laufe des Tages werden Aufgaben entstehen, Skizzen angefertigt und Ideen niedergeschrieben, die eine vernünftige Vervokabulierung benötigen zum nächsten Abend, also Nachbereitung und Vorbereitung für den nächsten Arbeitsschritt. Das wäre dann der nächste Arbeitstag. Idealerweise sind diese Tage nicht zu weit auseinander, aber da ich in nächster Zeit keinen Sport habe und die Wochenenden eher leer sind, wäre es von meiner Seite aus möglich, mal einen Samstag oder einen Sonntag damit zu verbringen. Zwischen den Tagen lassen sich dann auch Hausaufgaben vergeben, also kleinere Dinge. Vorarbeiten für den nächsten Arbeitstag gewissermaßen.

Als letztes brauchen wir dann eine Vorstellungstaugliche Gestaltung der ganzen Geschichte. Wie lässt sich eine Mythologie am besten Gestalten? In Form von alten Sagen und Geschichten in einem bestimmten Stil, würde ich sagen. Allerdings ist dies der letzte Arbeitsschritt in einer langen Reihe voller anderer Arbeitsschritte und ich will deshalb mal nicht zu viel vorgreifen. Das wird sicherlich auch ein Punkt sein, den wir diskutieren können. Ich gehe davon aus, dass wir beide da jeweils eine Vorstellung haben werden, und diese gilt es dann am Ende zusammenzuführen, sodass wir mit der Darstellung zufrieden sein werden. Das wird wahrscheinlich noch mit die am schwersten auszuführende Arbeit. In Schönheitsform zu bringen dürfte aber auch die motivierendste sein, da wir da schon viel geschafft haben werden und es darum geht, Ergebnisse darzustellen. Vielleicht schaffen wir es am Ende ja sogar eine eigene Edda der enwischen Mythologie darzustellen, oder andere Sagas als Vorbild zu nehmen.

Was haben wir wohl alles zu tun? Ein kleiner Ausblick auf Dinge die zu erledigen sind, und die dabei entstehen können. Wir haben die Götter, die Magie, besondere Monster und Wesenheiten. Vieles besteht schon, vieles muss erst noch gebaut werden. Handwerklich wird dies also viel Schreibkram sein, aber ich denke zur Auflockerung des Ganzen und als Kreativitätsübung sollten wir auch grafische Dinge einbauen. Seien es Bildersuchen zur ersten Visualisierung von Vorstellungen (wenn sowas anfällt) oder Zeichnungen. Ich weiß es nicht, aber es wird bestimmt etwas anfallen. Ansonsten werden es wohl viele Diskussionen, und dabei ist es schon fast egal, ob man dabei in einem Zimmer sitzt oder an unterschiedlichen Standorten. Zum Festhalten bietet sich das drive an, da können beide drinnen rumpfuschen und es wird direkt gespeichert ohne Austausch. Ansonsten wäre handwerklich wohl OneNote noch zu gebrauchen. Sicherlich kann ich den ganzen Arbeitsaufwand noch nicht überblicken und habe hier wohl vieles vergessen, was dann zu gegebener Zeit aber auftauchen und in die Arbeit mit eingebaut wird.

Benutzeravatar
Ikelos
Beiträge: 275
Registriert: Fr 30. Sep 2011, 12:28
Wohnort: Hab ich
Kontaktdaten:

Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Ikelos » So 22. Feb 2015, 15:53

Was ist eine Mythologie der Enwe?

Ich habe bereits in einigen Antworten zu anderen Fragen angedeutet, dass der Begriff der Mythologie etwas anders gehandhabt werden muss, als in unserer realen Welt. Die Grenzen zwischen Mythologie und Realität verschwimmen zusehends, denn all die Dinge, die bei uns in den Bereich der Mythologie fallen, sind in einer fantastisch geprägten Welt durchaus als alltäglich und präsent zu bezeichnen. Deswegen ist hier anzumerken, dass die Frage nach einer Mythologie der Enwe mehr als berechtigt, wenngleich auch schwer zu beantworten ist. Allgemein ist es schwierig, Mythologien zu erstellen oder zumindest ihnen Grenzen zu setzen. Wenn man mal den Blick über unterschiedliche Fantasy-Welten schweifen lässt, sieht man zwar immer wieder deutliche Unterschiede, auch in den Mythologien, aber es ist dennoch schwer, sich daraus Regeln für eine Mythologie herzuleiten, denn meiner Meinung nach ist sowas immer irgendwie ungreifbar und auch nebulös. Nicht umsonst wird ein Mythos gerne auch mal etwas benannt, von dem nicht zweifelsfrei bekannt ist, dass es wirklich existiert. Demzufolge würde ich hier sagen, dass eine Mythologie der Enwe sich in den Grauzonen bewegt. Was ist eine Grauzone in dem Fall? Ich unterteile das mal in drei Gebiete:

  • Gebiet 1 umfasst hierbei die alltäglichen Dinge die bekannt sind und mit denen man regelmäßigen irdischen Kontakt hat, sprich hauptsächlich das Profane, das Politische und das Alltägliche.
  • Gebiet 2 sind hierbei Dinge, mit denen man viele Berührungspunkte hat, die jedoch für einen nicht direkt greifbar sind. Ein gutes Bespiel hierfür ist das Religiöse und auch die Magie. Von beidem weiß man irgendwie, dass es existiert, und gerade zu Religion hat man einen großen Bezug, zu Magie auf unserer Welt ja eher weniger, und doch ist es ja bekannt, dass es sowas gibt. Magie ist allerdings auch so ein Grenzgänger, der wohl auf der Kante zu Gebiet 3 steht. Drachen sind hier auch ein gutes Beispiel.
  • Denn Gebiet 3 sind hier die Dinge, die zwar Geschichten füllen, deren Existenz angezweifelt werden darf, oder auch offen angezweifelt wird. Wahrscheinlich wäre dies das über das Göttliche hinausgehende Übernatürliche. Ich wird jetzt einfach mal den Untod in den Raum. Auch gehören dort Heldensagen rein, von denen man nicht sagen kann, ob es sie nun wirklich gab, oder ob sie über die Jahre verfälscht wurden. Es sind die Zweifelsfälle der Geschichte hier unterzubringen.
    Letztlich ist eine Mythologie der Enwe ein Mix aus den Gebieten zwei und drei. Wie bereits gesagt muss hier in Grauzonen gearbeitet werden und man kann es nur schwerlich pauschal einteilen. Die Gebiete sind auch nur ein Versuch der Einteilung, doch glaube ich, dass es das wohl ganz gut treffen dürfte. Die Grauzone ist wohl Gebiet 2, denn das sind die Dinge, die halt mehr oder weniger auch in den Alltag gesteckt werden können. Regionale Unterschiede sind eben kaum zu vermeiden, aber bei einer ganzweltlichen Mythologie auch nicht so wichtig. Zum Abschluss dieses Absatzes gebe ich mal die Frage zu bedenken, was eine Mythologie der Erde ist.

Die Mythologie der Enwe ist schließlich auch ein Indikator dafür, inwiefern sich die Welt von anderen fantastischen Welten unterscheidet. Dazu gibt es eben drei Punkte: Technologiestand, Kultur und nicht zuletzt das, was das Fantastische von unseren realen Epochen, die den Kunstwelten als Vorbild dienen, abhebt und erst die Fantasy in die Welt bringt: der mythologische Kanon. Anhand dieser Dinge unterscheiden sich die Welten voneinander und so wird die Mythologie eben das Werkzeug, anhand dessen wir die Enwe einzigartig gestalten können. Sie ist unter Mittel zum Zweck, um festzulegen, woran man unsere Welt erkennt und um den Maßstab anzusetzen, dass man, wenn man einfach einen Text liest, daran erkennt: Ah, eine Geschichte von der Enwe! Natürlich kann nicht alles einzigartig sein, aber die Art der Zusammenstellung mit möglicherweise einigen innovativen Ideen.

Das alles führt zu der letzten großen Teilfrage: Was ist eine Mythologie der Enwe erzeugt zwangsweise die Frage was eine Mythologie der Enwe nun auch beinhaltet, und genau das ist der springende Punkt, der in den Nachwehen dieser Challenge, oder mehr in dem Arbeitsschritt, zu dem diese Challenge lediglich die ersten Wehen sein werden, behandelt werden soll. Was beinhaltet eine Mythologie der Enwe? Darin werden all unsere bisherigen Dinge auf den Prüfstand gestellt und es muss geschaut werden, ob durch die vielen Basteleien eine innere Logik noch herrscht, ob wir noch mit dem Geschaffenen zufrieden sind, und ob es Veränderungsbedarf gibt, gerade auch durch die Umstellung auf Fate. Wenn dies durch ist, werden all die Themen, die eine Mythologie ausmachen, angesprochen. Die Götter, die unsere Welt geschaffen, belebt und geprägt haben. Gibt es ausreichend viele, lassen wir Platzhalter frei für mögliche großartige Ideen, und wie genau wirken sie? Was ist die Magie, was kann sie bewirken, ist sie womöglich ein Teil des Teils, der anfangs alles war? Und nicht zuletzt die Wesenheiten, die auf der Enwe umherziehen. Drachen, unser Monsterkanon, was lauert im Meer, und gibt es möglicherweise Kontakt zu anderen Welten? Nicht zuletzt gehören wohl auch mystische Dinge dazu. Sternenkonstellationen, Vogelflugbeobachtungen oder das Lesen der Zukunft auf nichtmagische Weise aus einfach gefallenen Knochen? Ebenfalls angesprochen sind die Heldensagen. Aber ich denke, dass diese wohl eher für sich sprechen können und hier nicht in die Arbeitsschritte mit einfließen müssen sondern nach Bedarf entstehen, wenngleich sie natürlich auch dazugehören.

Ich denke, dass gerade durch meine gestellte Frage, was eine Mythologie der Erde sei, deutlich wird, dass diese Frage sehr schwer zu beantworten ist und der Umfang einer vollständigen Antwort wohl jeglichen Rahmen eines menschlichen Lebens sprengen wird, doch hoffe ich, meine Grundgedanken zu einer Mythologie für die Enwe verständlich dargelegt zu haben.

Benutzeravatar
Ikelos
Beiträge: 275
Registriert: Fr 30. Sep 2011, 12:28
Wohnort: Hab ich
Kontaktdaten:

Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Ikelos » So 22. Feb 2015, 17:21

Was fällt auf der Enwe alles in den Bereich der Mythologie – gibt es Abgrenzungen zwischen häufigen und seltenen Vorkommen, zwischen wichtigen und unwichtigen Vergangenen Ereignissen – oder kurz: Was ist alltäglich und ab welchem Punkt beginnt die Mythologie?

Es trifft sich, dass diese Frage heute noch übrig ist mit meiner anderen heute bereits beantworteten. Ich erlaube mir ebenfalls, ein Zitat einzufügen, da ein bisschen Vorarbeit für diese Frage bereits getan wurde. Es entstammt der Frage „Was ist eine Mythologie der Enwe?“:

  • Gebiet 1 umfasst hierbei die alltäglichen Dinge die bekannt sind und mit denen man regelmäßigen irdischen Kontakt hat, sprich hauptsächlich das Profane, das Politische und das Alltägliche.
  • Gebiet 2 sind hierbei Dinge, mit denen man viele Berührungspunkte hat, die jedoch für einen nicht direkt greifbar sind. Ein gutes Bespiel hierfür ist das Religiöse und auch die Magie. Von beidem weiß man irgendwie, dass es existiert, und gerade zu Religion hat man einen großen Bezug, zu Magie auf unserer Welt ja eher weniger, und doch ist es ja bekannt, dass es sowas gibt. Magie ist allerdings auch so ein Grenzgänger, der wohl auf der Kante zu Gebiet 3 steht. Drachen sind hier auch ein gutes Beispiel.
  • Denn Gebiet 3 sind hier die Dinge, die zwar Geschichten füllen, deren Existenz angezweifelt werden darf, oder auch offen angezweifelt wird. Wahrscheinlich wäre dies das über das Göttliche hinausgehende Übernatürliche. Ich wird jetzt einfach mal den Untod in den Raum. Auch gehören dort Heldensagen rein, von denen man nicht sagen kann, ob es sie nun wirklich gab, oder ob sie über die Jahre verfälscht wurden. Es sind die Zweifelsfälle der Geschichte hier unterzubringen.

Auf der einen Seite ist mit dieser Tabelle natürlich schon alles ausgedrückt, doch lässt gerade noch Gebiet zwei sehr viele Einzelfälle zu, die alle jeweils für sich betrachtet werden müssen um zu entscheiden, was in den Bereich der Mythologie und was in den Bereich des Alltäglichen fällt. Gerade wenn es um das Thema der Drachen geht, ist ja auch eine regionale Betrachtungsweise ratsam, da Drachen in manchen Gegenden eben häufiger vorkommen und in manchen Regionen wahrscheinlich überhaupt gar nicht. All diese Einzelfallbetrachtungen machen es schwer, für alles eine Regelung zu finden, und doch würde ich meine oben erstellte Auflistung als groben Maßstab dafür nehmen, um es betrachten zu können. Von daher komme ich eher auf die Teilfragen zurück.

Gibt es eine Abgrenzung zwischen häufigen und seltenen Vorkommen? Ich denke schon, dass mythologische Vorkommen deutlich seltener vorkommen als die alltäglichen, alleine schon weil sie ansonsten zum alltäglichen Leben gehören würden. Eine Welt, in der Drachen alltäglich sind, wäre für mich auch keine Fantasy-Welt sondern lebensfeindlicher Raum. Vielleicht auf einer anderen Welt, aber nicht bei uns, ebenso bei der Magie, da die Magie von uns ja auch als deutlich seltener eingestuft und in einigen Punkt stark reglementiert wurde, wie bei der Teleportation. Magie als seltener Teil fällt meiner Meinung nach auch eben deshalb in den Teil der Mythologie, eben weil es nur wenige magisch Begabte gibt und das Wissen darüber auch begrenzt ist. Dazu kommt dann wohl der Punkt, dass das Unwissen über eine Sache eben jene Sache auch zu einer mythologischen Sache werden lässt. Das lässt sich wohl auch auf die selteneren Bewohner der Enwe anwenden, jedoch auch nicht immer. Manchmal entstehen dadurch auch nur mythologische Geschichten, bedingt durch die Tabula Rasa. Denn was vor jener Zeit geschehen ist, ist auch nur durch Mythen und Ranken belegt. Ich denke mal, dass jene Zeit also auch als mythologisch bezeichnet werden kann und aus meiner Einteilung in Gebiet 3 passt.

Nun noch die Frage nach einer Unterteilung in wichtige und unwichtige vergangene Ereignisse. Das wurde ja durch die Tabula Rasa bereits angerissen. Natürlich beinhaltet eine Mythologie keine unwichtigen Ereignisse wie „König Rel hat an dem Morgen in nur wenigen Augenblicken seine Zähne putzen können!“ sondern eher sowas wie „Und so besiegte König Rel mithilfe seiner guten Freunde die Schattenlegion und zeigte Athkatla die Sonne erneut, obwohl er ein Vampir war“. Ich nehme hier als Vergleich einfach mal die Edda und die Bibel, wobei gerade letztere heutzutage von vielen als Tatsache verkauft wird, welche jedoch, wie wir stark vermuten, nur zusammengetragene fragwürdige Geschichten beinhaltet. So etwas wäre wohl eine mythologische Schrift über vergangene Ereignisse auf der Enwe.

In der Kürze liegt die Würze, denn ich denke, dass ich mehr nicht zu sagen habe zu dieser Frage.

Benutzeravatar
Marnarn
Administrator
Beiträge: 592
Registriert: Do 29. Sep 2011, 20:04
Wohnort: Borgdorf-Seedorf
Kontaktdaten:

Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Marnarn » So 22. Feb 2015, 23:24

Wäre es eine Möglichkeit, die Scheinwelt, die derzeit bei Storm of Vengeance existiert, auch auf die gesamte Enwe auszubreiten und somit der Tabula Rasa eine noch größere Gewichtung zu geben?

Die Scheinwelt ist ein an sich unenwisches Konstrukt, welches mir eine Möglichkeit geboten hat, meine Fehlplanungen bezüglich Enwe und D&D/Pathfinder im Sinne der Magienutzung zu korrigieren. Die Weltgegend, die dort bespielt wird, hat also einen signifikanten Wandel von einer low-magic-Gegend zu einer high-magic-Gegend gemacht, allerdings nur in den Köpfen der Spielercharaktere. Der Ingamegrund lag in ihrem beginnenden Wahnsinn, den sie sich durch ihre menschenunwürdigen Taten eingefangen haben. Insofern also ein Konzept, welches über eine Art Menschlichkeit funktionierte und ihnen Geistesverlust andichtete, wenn sie kleine, fliehende Kinder durch die Canyons zu Tode hetzten und deren Leichten mit Pferden zertrampelten. Oder anders gesagt, je brutaler und verrückter, je unmenschlicher die Täter wurden, desto entrückter, verzerrter und unmenschlicher wirkte die Welt, die ihrem Wahnsinn Bildgewalt verschaffte.

Jene Versuche also die wahre Welt wiederzufinden sind darin begründet, wieder zur Vernunft zu kommen. In diesem Sinne ist also die reale Welt vernunftbasierter als die immer abgedrehtere Fantasywelt. Deswegen hat es zwei Gegenbilder gegeben, welche den Ausweg aus dem Wahnsinn zurück zur Vernunft hätten weisen können, einmal Delilik (türkisch für Wahnsinn) und Phrenesis (lateinisch für Wahnsinn). Es hätte also eine Spiegelbildlichkeit sein sollen, die eine Verknüpfung von Wahnsinn und Realität herstellt, und Erkenntnis von Wahnsinn zur Bedingung der Befreiung von Wahnsinn macht. Einmal als Sonne, welche den Nebel des Wahnsinns lichtet (durch Erkenntnis von Wahn als äußerlicher Einfluss) und einmal die Tiefe, also eher eine psychoanalytische, innere Abwendung vom Wahn. Insofern ist dieses Konzept schon ein Stück weit an mythologische Bilder geknüpft, ohne speziell für die Enwe entwickelt worden zu sein.

Jetzt ist die Scheinwelt die Welt des Wahns, nicht umsonst waren die weiteren darum geordneten Götter Sinnbilder für Schlaf, Traum, Vergessen (und eben Wahnsinn). Das Träumende, das Wegführende, dass Unreale sich in das Reale Übertragende durch Verständnis und Erkenntnis, alles das hätte ein durchgehendes Thema für die Spielercharaktere in Chuang sein sollen. Ist es damit zu speziell für die ganze Enwe? Wenn ich die Frage auf die Art stelle, dann könnte ich sagen, dass ich eher ein Potenzial sehe, sie für die ganze Enwe gelten zu lassen. Dies ergibt sich daraus, dass wir absichtlich überdurchschnittlich viele Götter entworfen haben, welche mit dem Wahnsinn assoziiert sind, wenngleich auch zunehmend mit unterschiedlichen Facetten des Wahns. Wenn man jedoch Ammet, Raiva, Phrenesis und Vecor alleine nimmt (3 von 4 Namen sind dem Wahnsinn zugeschrieben), findet man heraus, dass Wahnsinn eine exponierte Rolle im göttlichen Zusammenhang spielt. Dieses haben wir noch nicht zur Gänze formuliert, sondern hat vor allem in meinen Runden eine Rolle gespielt und ist in einem Beitrag zu Phrenesis angeschnitten. Insofern böte sich an, auch einen die Welt befallender Wahn zu generieren, der für diesen Schleier sorgen könnte. Ich sehe jedoch auch den Punkt, dass eine Allwissenheit über den Schleier nachteilhaft wäre. Aber als Werkzeug der Wahnsinnsgötter, als Spielwiese ihrer Domäne, warum nicht.
Wenn ich jetzt jedoch fragte, ob ich einen allgegenwärtigen Schleier zielführend halten würde, dann bin ich skeptischer, auch wenn die Grundidee mir damals dienlich war. Es geht da vor allem um unsere "Eine Welt - Ein Körper"-Idee, die wir zu Beginn des Projektes noch umgesetzt haben wollten, also keine Sonderebenen zu bauen. In dem Sinne fiele es mir schwer, für die ganze Enwe eine Art Traum- oder Wahnwelt zu kreieren, die wiederum als Welt in der Welt funktioniert. Das würde dieser Idee entgegengehen, weshalb ich mich bei der Scheinwelt nicht für eine Scheinwelt in Chuang, sondern in den Köpfen der Spielercharaktere entschieden habe, und weshalb die Vecorianer/Deliliker davon gesprochen haben, dass die SCs die falsche Welt sehen würden, oder genauer: ein verzerrtes Abbild der realen Welt, welche ihnen durch den Wahn all diese Elefantenmonstren und so weiter suggeriere. Eine freie Interpretation folgenden Satzes: "Jeder Beginn einer Idee entspringt einer unmerklichen Verletzung des Geistes." - Émile Michel Cioran, Die verfehlte Schöpfung. Diese Welt existiert also nur gemeinsam, für Kampagnenzwecke, in den Köpfen der Charaktere und hat mir ermöglicht, Classic-D&D zu leiten, ohne dass ich die Enwe in Frage stelle. Das ist mein eigentlicher Impetus gewesen.

Unter diesem Antrieb kann ich mir diesen Nutzen auch vorstellen (oder in ähnlicher Lesart), denn Pathfinder/Dungeons&Dragons lässt sich nicht mit unseren magiearmen, gefährlichen Breiten vereinbaren, oder nur sehr schwer und fluffmäßig, weil die Regelmechanik eben Magie als notwendiges Progressionsmittel sieht. Wenn jetzt also jemand die Welt als Vorlage nutzen wollte, und Pathfinder oder D&D als Grundregelwerk heranzieht, und nicht das halbe System umstellen oder die halbe Welt umbauen möchte, dann könnte diese Scheinwelt in ihrer Nutzung bei mir durchaus noch einen doppelten Sinn machen und könnte dann auch eine Rolle in der mythischer Schleier spielen. Ansonsten sehe eine Zwischenwelt für die Enwe kritisch und bin eher gewillt, Wahnsinn direkt in die Welt (wenn auch mit ähnlichen Wahnvorstellungen) zu implementieren, und dann andere Dinge damit anzupacken, also Massenhysterien, individueller Wahnsinn, der Wahnsinn des Krieges und ähnliche Punkte können dann direkter Ansätze bekommen, ohne dass man eine Zwischenwelt zieht, die wie ein kompletter Schleier über der Welt liegt.

Das steht jetzt nicht dem im Wege, diese Scheinwelt/Wahre Welt-Problematik für Spielergruppen am Leben zu erhalten und eben eine Art pseudo-freudsches Rollenspiel zu spielen, in dem die Charaktere ihrem eigenen Geisteszustand mit der Hilfe analytischer (Monster, Dungeons, Schätze. :D) Mittel auf die Spur kommen müssen. Und das kann auch mythologische Gründe haben, jedoch denke ich, dass hier eine dosierte Anwendung spannender ist als eben der weltumgreifende Schleier mit all seinen Komplikationen (hier folge ich deiner Argumentation). Wie vielleicht deutlich wird, hat diese Idee mich quasi zwangsläufig zu einer anderen Idee geführt, nämlich der Dementia-Kampagne, die dann tatsächlich in Enwe und Realwelt spielt und ein Stück weit wirklich freudsch ist. Ich halte also diese Grundidee wirklich für spannend und auch einigermaßen innovativ, da die wenigsten Fantasygebilde den Wahnsinn (in welcher Form auch immer) als Grundbedingung nehmen, sondern eher zur Folge, oder die Wahnsinn eben als nicht nachvollziehbar darstellen. Wahnsinn kann jedoch auch nachvollziehbar sein.
"Charakter ist ein Fels, an welchem gestrandete Schiffer landen und anstürmende scheitern." - Jean Paul, Levana


Zurück zu „Götter und Drachen - Engel und Teufel“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste