Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Schauplatz und Diskussionsplatz für Dinge, die sich mit den großen zentralen Mächten der Enwe auseinandersetzen.
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Marnarn
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Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Marnarn » So 18. Jan 2015, 15:47

Eine Mythologie zu schreiben erscheint mir kein Selbstgänger zu sein und benötigt eine gewisse Überlegung und vor allem eine Ordnung. Zwar haben wir bisher die Zeit vor allem damit verbracht, einfach drauflos zu schreiben und so letztendlich eine bestimmte Form der Mythologie (also des Geschichten erzählens) beherzigt, doch ein sorgsam eingerichteter Rahmen kann dem Ganzen den Anstrich der Beliebigkeit nehmen und die Mythenwelt Enwe wirklich herausstechen lassen. Meiner Meinung nach muss für das Spannen des Rahmens jedoch erst einmal festgelegt werden, was eine Mythologie nun wirklich ist und was wir uns im Zusammenhang oder gegen die eigentliche Bedeutung darunter vorstellen, deswegen kann konsequenterweise die erste Frage nur heißen:

1. Was ist eine Mythologie der Enwe?

Ein klassisch-identifiziertes Element der Mythologie sind die Götter und die Monstren. Ich denke, welche Lesart auch immer wir für eine Mythologie sehen, diese beiden Einordnungen werden immer eine Rolle spielen und sollten deswegen mit zwei expliziten Fragen versehen werden. Auch hier ist die Beantwortung beider Fragen grundlegend.

2. Was sind die Götter der Enwe für dich?

3. Was ist ein mythisches Monster?

Jetzt könnten krampfhaft noch weitere Fragen in diese Richtung gefunden werden, und später werden sich bei der Beantwortung noch weitere Fragen auftun, welche andere Positionen betrachten. Ich bin aber dagegen, dass Spezifische in den Vordergrund zu rücken und erst einmal das Allgemeine festzulegen. Ich bin ein Mensch, der gerne aus sprachlichen und historischen Herleitungen heraus Begriffe beleuchtet und daraus sein Verständnis für Begriffe zu gewinnen versucht und manchmal auch gewinnt. Deswegen gehe ich instinktiv davon aus, dass dies bei vielen Unterfragen genauso geschehen wird, dass die Herleitungen gesucht werden und sie auf unsere Vorstellungen und Ideen gespiegelt werden, oder diese Vorstellungen und Ideen eben anhand dieser Herleitungen generiert werden und so nicht völlig isoliert existieren und entstehen.
Die weiteren Fragen müssen also bereits den Rahmen vorgeben und sind dementsprechend viel mehr darauf bezogen, wie die Mythologie generiert werden soll. Der wirkliche Rahmen ist also hier abgefragt, und dementsprechend sorgsam müssen die Fragen gestellt werden. Es darf dabei nicht erwartet werden, dass die Fragen in einer Abstufung ihrer Bedeutung gestellt sind, sondern sie mehr oder wenig gleichbedeutend sind (mit gewissen Nuancen), mit der Ausnahme der vierten Frage, welche für mich selbst die zentralste ist.

4. Welche Rolle spielt die Mythologie für die Welt und das alltägliche Leben auf der Enwe?

Die vierte Frage ist relativ selbsterklärend, aber stellt eine entscheidende Vorbedingung der Tiefe und Bereitschaft zur Arbeit da. Ist sie nur zum Selbstzweck da und um die Welt Bilderbuch-gleich zu kolorieren, steht die Frage einer solchen Challenge zu diesem Zeitpunkt bereits zur Debatte. Gleichwohl muss bedacht werden, dass die Mythenwelt, wenn sie nicht mehr an das System gekoppelt ist, wie Pathfinder es vorgibt (wo es hauptsächlich auch nur erstmal Kleriker-generiert war), an Bedeutung verliert und zwar rasch an Bedeutung verlieren kann, ebenso wie Monstren. Jeder, der bisher eine Malmsturm-Runde auf der Enwe geleitet hat, wird anerkennen, dass er sich zumindest in unserer Gruppe instinktiv auf das Menschliche zurückgezogen hat und alles andere nur am Rande mitspielen lässt, aber zusehends nach außen drängt. Dasselbe kann für die mythischen Sphären ganz leicht passieren. Deswegen möchte ich das zu bedenken geben.
Die fünfte Frage beschäftigt sich mehr mit dem Arbeitsrahmen, und empfinde ich persönlich als genauso wichtig. Ich möchte nicht viel vorwegnehmen, aber das liegt für mich in der Bedeutung des Wortes Mythologie verborgen. Ich habe also keine Lust nur irgendwelche Fakten in die Welt zu pusten, in der Hoffnung, dass irgendetwas hängen bleibt.

5. Wie wird die Mythologie der Enwe handwerklich entstehen?

Es sind scheinbar nur fünf Fragen, aber es sind fünf für mich sehr substanzielle Fragen, deren Beantwortung von enormer Bedeutung für die Generierung einer solchen Challenge ist. Es ist davon auszugehen, dass jede Frage mindestens mit einem einzelnen Challengebeitrag (also Wochenleistung) abzugelten ist, auch wenn man im Gefühl hat, es kürzer fassen zu können. Jetzt ist die Beantwortung dieser Fragen nichts, was man mit mit einer wirklichen Challenge und Bewertung versehen könnte. Das heißt, hier müssen wir vielleicht eine andere Lösung finden, uns auf die Finger zu schauen, dass wir die Fragen auch beantworten.

So viel für den Moment.
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Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Ikelos » So 18. Jan 2015, 15:51

These: Auf der Erde gibt es eine Vielzahl von Mythologien, die auch auf der Erde eine Vielfalt an interessanten Dingen ausmachen, die es jedoch auch unübersichtlich gestalten, manche Wesen zu definieren, da sie in manchen Mythologien unterschiedliche Rollen oder Funktionen einnehmen, oder auch unterschiedliche Fähigkeiten besitzen.
Frage: Soll es für die Enwe einen großen mythologischen Überbau geben oder gibt es örtlich bedingte Unterschiede in den Mythologien?

These: Die Erde als Grundwelt besitzt nur den Mensch als intelligente Lebewesen. Die Vergessenen Reiche, die Enwe, Arda… quasi alle fantastischen Welten haben alltägliche Wesen, die für uns in die Mythologie fallen würden. Ebenso verhält es sich mit übernatürlichen Phänomenen wie Magie, Untod und Göttern. Auf der Erde glauben die Menschen an solche Dinge. Auf der Enwe sind sie real existent. Zudem gibt es einen weiteren Ansatz aus der Antike, in der es auch Heldenmythologien gibt (gibt es natürlich auch anderswo), welcher im Grunde alles miteinander vereint. Das Thema der Mythologie ist also ein großer Deckmantel, welcher alles unter sich vereint, was nicht wissenschaftlich nachweisbar ist. Zudem gibt es noch die Begriffsbedeutung, welche Geschichten erzählen beinhaltet. Das steht nun konträr zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen, da zum Beispiel ein Held eines Landes dadurch ebenfalls in die Mythologie fällt.
Frage: Was fällt auf der Enwe alles in den Bereich der Mythologie – gibt es Abgrenzungen zwischen häufigen und seltenen Vorkommen, zwischen wichtigen und unwichtigen Vergangenen Ereignissen – oder kurz: Was ist alltäglich und ab welchem Punkt beginnt die Mythologie?
[Anmerkung: Ich weiß, dass diese Frage sehr offen und wohl kaum zu beantworten ist, aber ich sehe gerade hier in einer Fantasy-Welt einen der wichtigsten Punkte, um eine Grenze zu ziehen, was in dieser Welt eigentlich wirklich vorhanden ist. Ziel dieser Frage ist also noch keine allgemeingültige Antwort, sondern wohl auch eher der Versuch einer Definition von Mythologie auf der Enwe.]

These: In einer der Spielrunden gab es bereits eine meiner Meinung nach geniale Idee der Scheinwelt und der wirklichen Welt, bei der die Scheinwelt sich über die wirkliche Welt gelegt hat. Gerade über FATE und die dazugehörigen Aspekte fällt mir dazu die Idee ein, dieses auf die gesamte Enwe auszubreiten und ihr damit ein Alleinstellungsmerkmal zu geben, indem man in der Scheinwelt lebt, in welcher alles fantastischer erscheint als in der realen Welt. Natürlich gibt es die Gefahren auch in der realen Welt, wenn sie in der Scheinwelt vorhanden sind. Nur wäre ein Ork in der Scheinwelt wahrscheinlich ein Mensch mit dem Aspekt „Stark wie ein Eber“ oder sowas. Die genauen Hintergedanken können natürlich abgeändert werden, aber ich denke hierbei auch an die Tabula Rasa, bei der die Gedanken und das Wissen ausgelöscht wurden und durch die womöglich die Wahrnehmung der Welt komplett verändert wurde.
Frage: Wäre es eine Möglichkeit, die Scheinwelt, die derzeit bei Storm of Vengeance existiert, auch auf die gesamte Enwe auszubreiten und somit der Tabula Rasa eine noch größere Gewichtung zu geben?

These: Die Götter sind allmächtig, die Menschen sind fernab von ihrem Machtgrad. So ist es in jeder Welt, und auch in unserer Realität stehen die Götter fernab der Sterblichen. Manchmal verschwimmen die Grenzen jedoch, wenn man sich unsere Welt anschaut, in deren Vergangenheit manche Leute als Götter verehrt wurden, oder auch in fantastischen Welten, in denen mächtige Magier von ihrem Machtgrad her gottgleich erscheinen. Im Dungeons and Dragons System sind Götter wertemodifizierte Sterbliche, und viele der dort aktuellen Götter waren sogar welche.
Frage: Was unterscheidet einen Gott von einem sterblichen Wesen, was ist das Merkmal der Göttlichkeit?

These: Die Magie ist eine mächtige Kraft, die alles und jeden beeinflussen kann. Es gibt ein mittlerweile zersprungenes Gefäß und dutzende Scherben. Es gibt auch Götter, die sich der Magie verschrieben haben, doch scheint es unklar, was nun worauf aufbaut. Haben die Götter ihr Macht durch die Magie erlangt, oder ist die Magie durch die Macht der Götter entstanden? Ebenso scheint es mir unklar, ob das magische Gefäß der Enwe exklusiv ist, oder für unseren Gesamten Kosmos gilt.
Frage: Welche Stellung hat die Magie in unserem Kosmos, ist sie ein Werkzeug oder eine bereits bestehende Macht?

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Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Ikelos » So 25. Jan 2015, 15:16

Was sind die Götter der Enwe für dich?

Eine Frage, die mindestens noch eine Teilfrage beinhaltet. Es geht hierbei nicht nur um die Frage der Götter der Enwe, sondern auch darum, was allgemein Götter für mich sind. Diese Frage lässt sich entweder sehr kurz, oder eben auch sehr ausführlich beantworten. Ich beginne mal mit einem kurzen Satz, der das Wesen der Götter meiner Meinung nach ganz gut darstellt: Götter sind übernatürliche Wesen, die mit ihrer großen macht Einfluss auf einen Lebensbereich nehmen. Ich denke, dass dieser Satz als erster Ansatz so stehen bleiben kann.

Wie genau das Wesen der einzelnen Götter nun aussieht, ist in den vielen Kulturen unserer Welt und den vielen von uns erdachten Welten unterschiedlich, und natürlich auch von Gott zu Gott, bzw. Monotheismus zu einem System mit vielen verschiedenen Göttern. Aus einer nicht an einen speziellen Gott glaubenden Sicht schreibe ich, dass in einem Monotheismus ein Gott der Idealzustand des Menschen ist. Es ist der perfekte Herrscher, der alle Organe einer Herrschaft in sich vereint und dazu noch die professionelle Distanz von seiner Schöpfung hat, um das Leben am Laufen zu halten. In einem Glauben mit vielen Göttern sehe ich die Dinge anders gelagert. Hier werden jegliche Eigenschaften des Menschen auf Götter projiziert, und je nach Umfang des Pantheons auch die wichtigen Aspekte des Alltags. So gibt es hier einen sehr gütigen Gott, allerdings auch einen mit sehr großem Zorn. Es gibt immer den einen hinterlistigen, und immer den einen Gott des Sonnenaufgangs.
Dazu gibt es noch jene Naturreligionen, die die Götter in allen Dingen der Natur erkennen. Der göttliche Marder, die große Eiche, der heilige Pinienzapfen sind nur einige mögliche Ausprägungen. Die Römer kannten dazu noch die Hausgötter, die den eigenen Herd bewachten.

Wie man sieht, gibt es alleine auf unserer Welt unendlich viele Ansichten von Göttern. Hier kommt nun die Kunst ins Spiel, dass die Götter der Enwe eine Ansicht bekommen sollen. Was also sind die Götter der Enwe? Dazu gibt es mehrere Fragen, die beantwortet werden wollen.
Woher kommen die Götter der Enwe und wo leben sie?
Was ist das Wesen der Götter?
Welche Mächte haben die Götter und was tun sie eigentlich?

Woher kommen die Götter und wo leben sie?
Der Ursprung der Götter ist bisher nicht festgelegt worden von unserer Seite. Da es hierbei um übernatürliche Wesen geht, würde ich den Ursprung auch nicht allzu sehr hinterfragen. Ich möchte hierfür etwas vorschlagen, nämlich die Götter ähnlich wie die Magie handzuhaben. Für den Ursprung kann ich mir vorstellen, dass die Götter aus einem einzigen Wesen entstanden sind und die heutigen Götter gewissermaßen die Scherben dessen sind. Vielleicht weil das einzige Wesen sich selbst mit einem Verstand nicht dazu in der Lage gesehen hat, eine komplette Schöpfung zu kreieren, und es sich deshalb geteilt hat? Nur ein Vorschlag dazu.
Die Götter leben in ihren Sternenwohnheimen, die man nachts als Sternenbilder erkennen kann. So hatten wir es bisher angedacht, und ich finde, dass es schon so gehandhabt werden sollte. Da wir keine außerdimensionalen Ebenen haben, sind sie eine gute Lösung, da wir die Götter nicht auf der Enwe wandeln lassen wollen. Mit um die 50 Sternenbilder haben wir am Ende auch jede Menge Füllung für den Himmel, und möglicherweise finden wir auch noch weitere Dinge, die den Himmel erhellen.

Was ist das Wesen der Götter?
Schwieriger zu beantworten. Einer Vielzahl von Wesen ein Wesen zuzuordnen ist anspruchsvoll. Psychologisch gesehen würde ich sagen, dass wenn man alle Götter addiert am Ende ein Mensch bei rauskommt, wie bei den oben bereits erwähnten polytheistischen Weltansichten. Sicherlich ist es kein perfekt ausgewogener Mensch, da bei uns die bösen Götter beim letzten Überblicken der Götter noch in der Überzahl waren, aber wenn man mal auf die philosophischen Ansichten unserer Welt bezüglich der Menschen sieht, erkennt man darin auch eine Tendenz dazu, dass der Mensch schlecht wäre. Meine Theorie zu den Göttern wäre dadurch also gestützt. Was das nun für meinen obigen Vorschlag bezüglich der Götter bedeutet, wäre, dass das Urwesen vielleicht sogar eine menschliche Tendenz hatte. Aber wie cool wäre das, wenn man nun hier sagen könnte, dass die Götter den Menschen unbewusst (!) nach dem Ebenbild ihres Vorgängers geschaffen haben? Nur mein Vorschlag dazu.

Welche Mächte haben die Götter und was tun sie eigentlich?
Götter sind wahrhaft mächtig und sie haben den genialen Funken in sich, mit dem sie erschaffen können. Sie erschaffen die Lebewesen der Enwe und haben die Welt zu einem Großteil nach ihrem Vorbild erschaffen. Allerdings sind sie nicht nur Schöpfer, denn nachdem etwas geschöpft wurde, gibt es auch noch die Aufgabe des Verwaltens. Jenes Verwalten besteht auf unserer Welt besonders darin, dass Konflikte geschaffen werden. Göttliche Konflikte, die das Leben auf der Enwe beeinflussen und schließlich durch Reibungen vorantreiben. Stillstand ist Rückschritt, und in Zeiten des Krieges gibt es den meisten Fortschritt, der das Leben auf dieser Welt in bessere (?) Zeiten führt. Für die Götter bedeutet dies, dass sie diese Konflikte vorantreiben, und auch untereinander natürlich Konflikte haben durch ihre konträren Einstellungen. Dies geschieht vermutlich sogar unbewusst. Durch die Einflusssphären und Domänen haben wir auf der Enwe also sehr viele Lebensbereiche abgedeckt, was bedeutet, dass unsere Welt, die wir eh schon einmal als eine Welt mit vielen Konflikten klassifiziert haben, in nahezu jeglicher Hinsicht voller Konflikte steckt.

Es bleibt also am Ende zusammenzufassen, dass ich Götter als jene Kräfte ansehe, die die Welt zum einen geschaffen haben, als auch dafür sorgen, dass sie nicht im Stillstand vergeht. Sie sind eine treibende Kraft, und wenngleich sie auch nicht direkt anwesend sind, nehmen sie doch Einfluss auf die Welt und führen selbst Konflikte untereinander, als auch gegen andere Parteien.

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Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Ikelos » So 25. Jan 2015, 15:17

Was ist ein mythisches Monster?

Ich für meinen Teil finde die Frage schon schwierig, was überhaupt ein Monster darstellt. Ich denke, dass es ein schmaler Grat ist, in einer fantastischen Welt ein Monster als Monster zu beziffern, da zum Beispiel in den vergessenen Reichen Monster schon beinahe alltäglich sind. Auch auf anderen Welten wie Golarion oder in Mittelerde gibt es viele andersartige Wesen, die man nicht unbedingt als Monster beziffern muss. Beispielsweise die Orks. Orks sind dort Monster, aber Greyhawk, oder die Provinz Vvardenfell sehen sie als normale Wesen an, die nicht einmal böse sind. Und sind Monster nur böse? Oder gibt es auch gute Monster, wie es das Handbuch von D&D suggeriert? Es ist also schon im Vorwege auf der Antwortfindung die Frage, was wirklich ein Monster ist. Als nicht ganz treffende, aber häufig genutzte Erklärung würde ich sagen, dass ein Monster die Wesen sind, die man in der freien Wildbahn findet und die man bekämpfen sollte. Anders kann man es ausdrücken, dass Monster diejenigen Wesen sind, die nicht zum alltäglichen normalen Leben auf der Welt dazugehören. Ich denke, dass man das für die Enwe übernehmen kann.

Monster auf der Enwe sind im Gegensatz zu anderen Welten etwas rarer gesät. Natürlich gibt es ebenso viele von der reinen Anzahl her, aber wir mussten ja zwangsweise durch die Rechte ein wenig ausdünnen oder umdisponieren. Von daher denke ich, dass es weniger Vielfalt geben könnte, allerdings sind es noch immer viele verschiedene Wesen, die einem auflauern und gefährlich werden können. Allerdings ist hier nun die Frage, was davon man mythisch nennen kann. Ich finde es nicht besonders mythisch, auf offener Straße von einem Haufen Goblins angegriffen zu werden, und auch der Goblinkönig Magmatsch ist für mich noch kein mythisches Monster, auch wenn es sicherlich kein 08/15-Goblin ist. Was macht den Goblinkönig Magmatsch also zu einem mythischen Monster?

Nehmen wir uns mal ein Monster vor, welches ich für meinen Teil als mythisch Einwandfrei ansehe. Als ein Beispiel denke ich da an den Zerberus. Der Zerberus ist ein Monster, welches sowohl sagenumwoben ist, als auch eine wichtige Rolle als Wächter der Unterwelt spielt. Es gibt keine zwanzig unterschiedlichen Zerberi, es gibt den Zerberus. Er hat also ein Alleinstellungsmerkmal, eine Aufgabe und man kennt ihn. Um den Goblinkönig Magmatsch zu mythisieren, müsste man ihn also zu einem besonderen Goblinkönig machen. Eine Idee wäre der unsterbliche Goblinkönig Magmatsch, der Wächter von Krakua, Heimat der Pestbringer. Das klingt gleich viel eindrucksvoller und macht ihn zu einem Wesen, von dem man schon eher mal gehört haben könnte, auch in weiter entfernten Gegenden. Vielleicht gibt es sogar Kinderlieder, die man unartigen Kindern vorsingt? Ein anderes Beispiel wäre Felurian, die Wächterin des Feenteichs, oder Foria, der Nebelbringer (auf Yakhama?).
Nun muss noch die Frage beantwortet werden, ob ein mythisches Wesen direkt auch mächtig sein muss, oder ob nicht auch Shalya, die blinde anthropomorphe Schlange, als ein solches gelten würde, weil man genau weiß, dass sie einen in der Argonat-Wüste an jeden Punkt bringen kann, den man sucht, obwohl sie ansonsten keine besonderen Fähigkeiten hat.

Weiterhin besteht die Frage, ob mythische Wesen sehr alt werden, unsterblich sind, oder eine normale Lebensspanne haben. Unsterblich ist schwierig umzusetzen, weil nicht einmal mehr die Elben unsterblich sind. Vielleicht denke ich dabei auch zu sehr an andere Mythologien mit den langlebigen Wesen. Langlebigkeit passt wahrscheinlich besser.

Eine zweite Form an mythischen Wesen dürfte eine sehr seltene Form von Lebewesen sein, die man nicht auf jedem Flecken Enwe finden kann. Es sind wohl auch Wesen darin unterzubringen, die in den Mythologien von einzelnen Völkern vorkommen. So zum Beispiel ein sprechendes Krötenvolk am Berg Goruka oder sowas. Dazu würde ich auch Drachen zählen, die zwar bekannt, aber dennoch sehr selten sind. Aber auch Elementare sollten dazugezählt werden. Auch wenn das nun zu spezifisch zu werden scheint, drücken diese Beispiele doch aus, was ein mythisches Monster ausmacht. Es sind nicht die alltäglichen Monster, es sind die Monster, die das Besondere ausmachen. Auch wenn ich noch weit von den 1000 Wörtern entfernt bin, hoffe ich dass ich meinen Punkt klarmachen konnte.
Es bleibt natürlich noch immer die Frage, was ein Monster ist und was nicht, oder ob Monster nicht einfach als ein Platzhalter genommen werden sollte.

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Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Marnarn » So 25. Jan 2015, 23:14

Was sind die Götter der Enwe für mich?

Auf 1000 Wörtern das Wesen von Göttern zu ergründen, erscheint mir unmöglich, denn Wissenschaftsgläubigkeit hin oder Gottesfürchtigkeit her, seit Menschengedenken ist es der Menschheit nicht gelungen, das Wesen von Göttern, eines Gottes, von übernatürlichen Mächten zu offenbaren, oder seine Nichtexistenz dauerhaft und einleuchtend für einen Großteil der Menschheit zu bekräftigen. Jetzt liegt also die genaue Auslegung in einigen Teilen der Welt in der Freiheit des Einzelnen und/oder in der Auslegung von religiösen und non-religiösen Gruppen, während sie in anderen Teilen der Welt im Sozialgefüge vorgegeben werden. In diesen Ländern habe ich zumindest öffentlich nicht die Möglichkeit, an andere Götter zu glauben oder ihre Existenz offen zu verneinen. Diese Grundfunktion erschien mir für die Enwe eindrucksvoll, ist die Existenz von Göttern oder gottgleichen Wesenheiten auf anderen Fantasywelten Spielfakt und kaum ein Charakter auf den Welten kommt in die Gelegenheit, zu prüfen, um sein Gott existiert. Es wird als Fakt etabliert, der Charakter hat darauf basierende Mächte, also muss der Gott existieren. Letztendlich ist die Argumentation vertraut, im christlichen Mittelalter hat man dies durch angebliche (oder für manche tatsächliche) Wunder bestärkt beispielsweise.

Die Götter der Enwe sind also mindestens zwiegestaltig oder ungestaltig. Wir haben festgelegt, dass sie nicht auf der Enwe wandeln, und somit haben sie für jeden Bewohner des Planeten keine physisch-greifbare Form. Dadurch, dass sie nicht greifbar sind, sind sie offen anzweifelbar. Anders ausgedrückt: Die Existenz von Göttern ist für die Enwe gar nicht gesichert aus der Perspektive der Welt.

Wir haben zudem festgelegt, dass die Götter ihre Kraft zu schöpfen verloren haben. Sie haben diese Kraft im Kampf mit der Enwe, durch die Schöpfung des Menschen verloren. Deswegen müssen sie Seelen sammeln, um zumindest noch kleinere Wunder auf der Welt bewirken zu können, allerdings ist ihnen der direkte Zugriff verwehrt, und die Enwe eine eigene, unerkenntliche Macht geworden. Das ist die zweite, große Entscheidung die wir im Vorfeld getroffen haben. Kann man daraus lesen, was die Götter nun sind?

Wahrscheinlich nicht, aber ich will versuchen, zumindest mein Bild etwas plastischer zu gestalten. Wenn Götter ungestalt sind, ihre Macht eingeschränkt ist oder sie diese gar komplett verloren haben, was sind sie dann?

Ohne es für die Realwelt beweisen zu können, hat mich mein Bild der Göttlichkeit der Realwelt an diesen Punkt geführt: Götter (ob nun in einem Monotheismus, einem Pantheismus, in einem Polytheismus, in konkurrierenden Schismata, Religionssystemen etc.) sind komplexe Ideen, oder besser komplizierte Ideenkomplexe. Diese Ideenkomplexe bilden sich (ganz oberflächlich gesprochen, die tatsächliche Ausdifferenzierung ist auf 1000 Wörtern nicht zu leisten) insofern in der Lebenswirklichkeit des Menschen ab, dass sie wechselwirkend sind. Die Ideen, die diesem Ideenkomplex inhärent sind, färben sich auf die Lebensgestaltung des Menschen ab (beispielsweise die 10 Gebote der Bibel oder Fragen, die sich damit beschäftigen, was ein wahrer Gläubiger tun muss, der Glaube an ein Jenseits, und seine Stellung im Diesseits, Sünden, Tugenden etc. etc.), andererseits färben die realen Lebensumstände auf die Beschreibung der Götter ab (Naturphänomene und Wunder werden den Göttern zugeschrieben, die Umwelt, Klima und Lebensbindungen finden sich in der Gottheit wieder und so weiter). Das alleine macht das Göttliche aber nicht aus, weil das alleine nicht schlagend ist für den Menschen, um sich an diese Idee zu halten. Denn das Ganze ist eingebettet in die Geschichten und Erfahrungen ganzer Generationen von Menschen, die sich mit diesem Gott, den Göttern, Vergleichbares beschäftigt haben, in feindlicher wie freundlicher, in zweifelnder wie bekräftigender Natur. Götter sind also in einer Hinsicht kulturelle Schlüssel, aber eben auch von Menschen und Umwelt gleichermaßen beeinflusste, lebensbeeinflussende bis lebensleitende Ideenkomplexe, eingebettet in die menschliche Geschichte durch menschliche Geschichten. Oder kontroverser ausgedrückt lässt sich die Existenz eines Gottes insofern nicht verneinen, obwohl ich ihn in eigenständiger, physischer Gestalt gleichzeitig verneinen kann. Für die lebensgestaltende Bedeutung eines Gottes ist es also weitestgehend irrelevant, ob er tatsächlich existiert oder nicht, solange die Möglichkeit seiner Existenz besteht. Selbst wenn er eigentlich irreal ist, ist die Macht, die ihn umgibt, insofern real, dass Leute diese Ideale zu leben und zu unterminieren versuchen. Völlig unabhängig davon, ob Allah real ist, der IS zieht für ihn in den Tod. Völlig unabhängig davon, ob Gott existiert, mehrere Religionen leben die Ideale, oder hintertreiben sie für den eigenen Gewinn, oder, oder, oder. Solange es die Möglichkeit der Existenz gibt, bleiben die Konsequenzen real, ob die Sache physisch real ist oder nicht. Sie ist soziale Realität.

Zusammengefasst sind die Götter der Enwe für mich komplizierte, aber lesbare Ideenkomplexe, die etwas fragmentierter sind als der Gott eines monotheistischen Glaubens (dem in aller Regel Allmacht zugesprochen wird, zwangsläufig, also Absolutheit), ohne den Bewohnern die Möglichkeit zu nehmen, ihr Ideal zur Absoluten Macht erklären zu wollen (sie wird es nie sein, denn sie ist umstritten, völlig gleich, ob sie real ist oder nicht. Wir erkennen das Muster wieder.). Aber die Götter sind derartig ihrer tatsächlichen Macht beraubt, dass sie ihre Existenz nicht mehr selbstpreisgeben könnte, selbst wenn sie wollten. Oder auf den letzten Absatz bezogen: Sie können sich nicht als physisch real manifestieren und dementsprechend sind sie potenziell auch immer nonexistent, ob sie nun real sind oder nicht. Und auch das hat dementsprechende Konsequenzen, weil eben an Göttern gezweifelt werden kann, andere Entitäten in den Ring geworfen werden können, die Enwe einen eigenen Geist haben kann, und Sachen wie die Ordo Cogitationis wirklich einen Sinn für die Enwe machen.

Es ist für mich also egal, was genau die Götter sind. Mich interessieren nur die Konsequenzen für die Welt. Es ist egal, ob Vecor tatsächlich existiert oder nicht, aber nicht egal, dass auf der Enwe in seinem Namen Tyrannei in 1000 Facetten gelebt wird, weil Vecor im weitesten Sinne die komplexe Idee der Tyrannei ist. Mich interessiert alleine, dass sie selbst keine absolute Allmacht mehr haben, sodass sie ihre Existenz nicht für die Enwe beweisen können, aber dass die Enwe eben auch nicht ihre Nonexistenz beweisen können. Und das Ganze sollte im Idealfall in eine hübsche Mythologie gepackt sein, und die Konsequenzen daraus für die Enwe so real sein, wie es für eine irreale Welt geht.
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Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Marnarn » Mo 26. Jan 2015, 01:12

Was ist ein mythisches Monster?

Würde ich mir die Beantwortung dieser Frage leicht machen wollen, und das will ich, würde ich sagen, dass es ein Monster ist, welches eine Rolle in der Mythologie spielt. Das ist zweifelsohne eine unzureichende Beschreibung, weil daran kaum erkennbar ist, was ein Monster ist. Das will ich im Laufe dieser Antwort kurz anschneiden.

Jetzt könnte man mit einer herkömmlichen Herleitung des Monsters kommen, also ein möglichst hässliches (oder unmenschliches) Wesen, welches sich durch Größe und Stärke auszeichnet. Das ist mir allerdings nicht genug, um auch für ein mythisches Monster eine Qualifizierung zu erhalten. Denn es ist damit nicht automatisch mit der Mythologie verbunden. Aber reicht es letztendlich nur in einer mythischen Geschichte zu stehen, um den Ruf nach einem mythischen Monster zu begründen? Streng genommen ja, aber das stellt mich nicht zufrieden.

Ein mythisches Monster ist ein Monster von einem gewissen Renommee und es muss deshalb auch gewisse Funktionen erfüllen. Es ist also zuerst einmal unmenschlich, oder im Sinne der Welt non-humanoid. Und es ist zweckgebunden. Doch welchen Zweck soll dieses Monster haben? Ich denke, dass mythische Monster sich dadurch auszeichnen, dass sie die Wege, das Leben, die Gesellschaft, die Ordnung von Humanoiden gefährden, aktiv bedrohen und bekämpfen zum einen, zum anderen dass sie Orte oder Gegenstände, die mit der Göttlichkeit verbunden sind, effektvoll schützen. Sie sind gleichwohl die entscheidenden Prüfsteine für Helden, mythische Helden. Dies ist mehr oder weniger eine Verquickung von griechischen Mythen und nordischen Mythen; Monstren die besondere Bälge haben, oder eben die Welt in ihren Grundfesten bedrohen, oder sie gar mit Zerstörung überziehen könnten. Und deswegen sollte es diese Funktion erfüllen, was aber bedeutet dies genau für die Enwe?

Wenn ich schreibe, dass ich erwarten könnte, dass Monstren im Zusammenhang mit Orten der Göttlichkeit stehen, dann meine ich damit nicht grundsätzlich, dass sie Teile dieser Göttlichkeit sind oder überhaupt nur auf der Seite der Götter stehen. Es heißt auch nicht, dass sie grundsätzlich als Feindbild des individuellen Helden oder Antihelden zu agieren haben, aber dass ihre Art eben nicht im Normalfall 1 zu 1 mit der Lebenswirklichkeit der humanoiden Völker zu vereinen ist. Ich meine aber, dass sie einen mythischen Zweck besitzen müssen, den man an bestimmte Funktionen bindet. Denken wir an das Göttliche (den Schöpfungsfunken) und den Kampf darum, den wir Seelenjagd genannt haben, und vergegenwärtigen wir uns, welche fünf Parteien wir als Überordnung genommen haben. Teufel/Dämonen oder Todesriesen als Diener der Enwe bieten sich da in dem Bereich gleich als mythische Monster an. Sowas wären Archetypen für diesen Bereich. Oder denken wir an klassische Drachen, die an die natürlichen Elemente angelehnt sind, von der Enwe Chaos ausgespien, sind sie klassische mythische Monster, vorausgesetzt sie agieren regelmäßig (aber nicht ausschließlich) als Feinde der Helden und Humanoiden, und ihrer wahrgenommenen Welt, und sie sind in mythologischer Hinsicht eingebettet. Diese Position ist jetzt mannigfaltig, ohne gänzlich beliebig zu sein. Es könnte auf mehreren Ebenen funktionieren und sollte auf mehreren Ebenen funktionieren, wobei Ebene hier Handlungsebene meint, da es ja eine Welt und ein Körper ist bei der Enwe und keine Sonderebenen gibt.

Zusammengefasst bedeutet das also, dass mythische Monstren non-humanoide Wesen sind, welche sich dadurch auszeichnen, dass sie die von den Humanoiden wahrgenommene Welt bedrohen und an einen mythologischen Zweck gebunden sind. Sie sind die Gegenspieler der Helden, obgleich sie manchmal in helfender Funktion auftreten können, und sie sind im weitesten Sinne an die Göttlichkeit gebunden, ohne ein Teil dieser sein zu müssen.
Um diese Definition etwas plastischer zu gestalten, könnte man jetzt Beispiele für solche Monster generieren, ich denke aber, das wir sowas ausreichend betrieben haben. Denken wir an Ostgarra, der Drache, der Ostadarra und seine Evolution bewacht. Dieser Drache wäre ein typischer mythisches Monster, welcher gleichwohl einen Zweck gefunden hat. Das einzige, was ihm fehlt, ist, dass er in einem mythologischen Text, in welcher Form auch immer, vorkommt, um wahrhaft mythisch zu sein. Letztendlich lässt sich das für alle Ergebnisse der Drachenchallenge finden, aber auch für andere Dinge, die wir ansatzweise oder komplett generiert haben. Denken wir an die kleine "Sonderwelt", die Barafeia sich erschaffen und an eine mögliche Geschichte, wie Barafeia die Seelen zur Erhaltung dieser Sonderwelt verbrennt, während er andere in diese Welt verführt und an seine Dienerteufel. Das ist und wäre ausgeführt eine klassische Funktion, wo diese Teufel dann zu mythischen Monstren werden. Beide Beispiele sind sicher eindrucksvolle Beispiele dafür, dass sie klassische Gegenspieler der "normalen", der Alltagswelt der Enwe sind und sie sind immer mit einem Zweck verbunden.

Es ist hier eindeutig, für mich, dass sich also längst nicht jedes Monster aus einem Monster Manual, Bestiarium, Monster Codex und sonstwas für diese Rolle eignet, da der Regelbegriff des Monsters deutlich breiter ist und humanoide Wesen auch mal als Monster berücksichtigt. Ich würde hier aber absichtsvoll trennen zwischen Humanoiden (möglichen Helden und Antihelden und Erzschurken) und Monstren im mythologischen Sinne. Gleichwohl muss aber gesagt werden, dass grundsätzlich jedes Monster zu einem mythischen Monster werden kann. Und das geschieht genau dann, wenn das Monster nicht nur Selbstzweck ist oder eine einfache, unzusammenhängende Begegnung, um Spielercharaktere zu beschäftigen, sondern wenn sie eben einen mythologischen Zweck zugesprochen bekommt und in den Zusammenhang von mythologischen Geschichten (ob wahr oder unwahr ist ja irrelevant) gestellt werden. Einfach eine Hydra vor die Gruppe zu werfen, das ist dann ein Monster, was mythischen Ursprung hat, aber nicht mythisch ist. Die Hydra als eine der zwölf Aufgaben des Herkules ist jedoch ein mythisches Monster, weil es eben auch einen Zweck hat. Einfach einen blöden Drachen in einem Dungeon zu platzieren, macht den Drachen nicht zu einem mythischen Monster. Diesen Drachen zu benamsen, und ihn die Todeskugel der Weltvernichtung bewachen zu lassen, und es in Mythen und Legenden zu beschreiben, und diesen Drachen mit einem heiligen, in mythischen Geschichten versehenen Zweck zu versehen, macht es möglicherweise zu einem mythischen Monster.

Für den Rahmen der Grundmythologie werden aber eben nicht alle Monster zu behandeln sein, sondern zuerst jene mit einer großen Bedeutung für die ganze Welt dieser zu schreibenden Mythologie. Das sollte aus diversen Fleißgründen selbsterklärend sein.
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Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Marnarn » So 1. Feb 2015, 17:10

Soll es für die Enwe einen großen mythologischen Überbau geben oder gibt es örtlich bedingte Unterschiede in den Mythologien?

Diese Frage ist eine Entscheidung zwischen einem Wollen und einer Willelei, sie ist ein Gradmesser darüber, wie viel Arbeit wir wirklich in so ein Projekt stecken wollen und obzwar man Wunder niemals ausschließen sollte, lassen mich die letzten neun Jahre, die uns dieses Projekt begleitet, glauben, dass es arbeitstechnisch und willenstechnisch abstrus ist, eine hoch differenzierte Mythologie zu erstellen, die wirkliche substanzielle Unterschiede von Gebiet zu Gebiet aufzeigt, da noch nicht einmal in einem ausreichenden Rahmen gesichert ist, was oder wie diese Gebiete sind, und teilweise nicht einmal, wo diese Gebiete sind. Eine solche Willensbekundung kann meines Erachtens nach nur eine Augenwischerei vor den wirklichen Zuständen unserer Arbeitsmoral sein, oder eben ein frömmelnder Wunsch, von dem man ganz genau weiß, dass man ihn sehr wahrscheinlich nie erfüllen wird.

Jetzt ist eine deutliche Warnung davor, sich solch einer Arbeitsleistung hingeben zu wollen, keine befriedigende Antwort, weil ich ebenso empfinde, dass eine alleinstehender, mythologischer Überbau eine unzureichende Lösung ist, da sie eben nicht kulturelle Unterschiede eröffnet und möglicherweise - wenn nicht vorsichtig bearbeitet - einen furchtbaren Einheitsbrei generiert, der überall aus Faulheit zur Gleichmacherei tendiert; eben jener Gleichmacherei, die wir gerade bei den Kontinenten ein Stück weit auseinandergetüdelt haben. Und da kein Zweifel an unserer Faulheit bestehen kann, sind wir dieser Gefahr sehr akut ausgesetzt, wenn nicht gar ausgeliefert. Gleichmacherei würde eine vielfältigen Welt kaum gerecht werden und wäre weitestgehend uninteressant. So uninteressant, dass es mich davon abschrecken würde, mir weiter Gedanken über dieses Thema zu machen, weil eine eindimensionale oder festgefahrene Welt mich zutiefst langweilen würde. Denn obwohl wir Festlegungen machen, die die Welt betreffen, bleibt am Ende wichtig, dass wir viel Mühe darin investiert haben, eine Welt mit fließenden Grenzen, unklaren Konturen und voller Schattierungen zu erschaffen, auch wenn das in den Zusammenfassungen diversen Lesern noch nicht klar ist, weil wir noch keinen allgemeinen Disclaimer dazu entworfen haben (sollte auf eine Aufgabenliste).

Eine Lösung muss also anhand unseres Arbeitswillen und unserer Arbeitsunfähigkeit entwickelt werden, will sie irgendeine Bewandnis für die Enwe haben und so ist die Beantwortung dieser Frage eher allgemein unserem Vorgehen gewidmet, welches ich lediglich anhand dieser Frage beantworten möchte. Die denkbarste Lösung ist für also eine Kompositlösung, die wie folgt aussehen könnte. Zuerst einmal wird eine überbauende, verbindende Mythologie gebildet, welche eine Art Grundkatalog darstellt, was es auf der Welt so gibt, wieso es das gibt, welchen mythologischen Zweck es hat. Das sind also Elemente, die überall vorkommen können, ohne dass man die Spielwelt und die innere Realität verrenken müsste. Um dann Diversifizierung zu erschaffen, also Tiefen und Schattierungen, kann man von diesem Grundgerüst divergieren, in dem man gewisse Auswahlen im Grundkatalog trifft (beispielsweise hier mal Vecor aus der Gleichung nimmt oder Attributierungen leicht verschiebt, oder mal Raiva zum Monotheismus in einer Gegend erhebt, oder vergleichbares) und eben lokale Besonderheiten entwickelt. Dies jedoch je nach Gusto und Notwendigkeit, und eben nicht verbindlich. Insofern kann ich beide obigen Fragen mit einem Ja beantworten.

Diese Lösung ist auch hier an unserer Arbeitsmoral orientiert. Die Faulheit drückt sich eben nicht nur darin aus, gewisse Dinge nicht zu notieren oder sich grundsätzlich in dem Ansatz zu einer Aufgabe zu verheben, sich also zu viel zuzutrauen und dass dann nicht abarbeiten zu können und zu wollen, sondern auch in mangelnder Aufarbeitung. Das bedeutet, dass oftmals vorherige Entscheidungen instinktiv oder in der Improvisation oder durch schlichtes Vergessen, einfach in diversen Kampagnen und Szenarien schlichtweg infrage gestellt werden. Daraus folgt, dass sich so oder so lokale Ausformungen von Religionen und Mythologien bilden werden, weil wir Entscheidungen einfach vergessen, überarbeiten, ignorieren oder eben, weil wir glauben, bessere Ideen zu haben oder sie eben auch tatsächlich haben. Ich wähle im Moment nur eben einen negativistischen Beschreibungsweg, wir könnten auch positivere Lesarten für dieselben Entwicklungen finden, ohne Frage. Dies führt mich wieder zu dem Gedanken, eine verbindliche und nicht zu komplexe Grundmythologie zu erstellen, die eben nur das ordnungsgebende Rückgrat unserer Welt ist, ohne in jedes Haus eindringen zu müssen und doch eben ein paar Hirngespinste an die Kette zu legen, welche die Grundmythologie an die Wand fahren würden. Was nicht bedeuten soll, dass es keine Umkehrungen oder Abkehrungen im lokalen Bereich geben darf, aber im Großen sollten wir die Mythologie nicht alle Jubeljahre umstürzen und komplett in Frage stellen.

Jetzt bleibt natürlich die Frage, was eine große mythologische Entscheidung ist und was eher lokale Ausprägungen sind und diese Frage muss beantwortet werden, wenn man sich an solche Lesart anhängen möchte. Es will mir nicht gelingen aus der Hüfte eine ausreichende Darstellung zu schaffen oder eine scharfe Grenze zu ziehen. Streng genommen muss sogar eher davon ausgegangen werden, dass sich im Laufe der Zeit manche lokale Ausprägungen in den Grundkanon schieben, weil die Idee gefällt oder passend ist, und dass über die Zeit die Ideen auch wachsen. Es wird also alles ein Stück weit modular bleiben. Im Moment kann ich es also nur mit einigen Beispielen umschreiben, was eine lokale Ausformung wäre und was eine Entscheidung ist, die zum Grundgerüst gehört, und wo Streitfälle bereits vorliegen könnten. Deswegen zum Abschluss meines Gedankens in Kurzform:

Die lokale Variante:
Ich habe den Vorschlag gemacht, dass wir in unserer neuen Götterordnung nicht mehr die Götter wie bei D&D anlegen, sondern die Götter etwas unerkenntlicher lassen, weil sie unerkenntlich aus der Welt heraus sind, und eher die Religionen die Beschreibung übernehmen lassen. Also jeweils die Gottessicht aus solch einer Splitterreligion könnte eine typische Lokal-Variante werden. Eine jede solche Einzelansicht könnte lokale, mythologische Ausformungen bekommen, ein Monster, ein Gottkind (kommt ja in drei Kampagnen vor), eine Prophezeiung.

Die Grundgerüst-Variante:
Die Geschichte der tabula rasa, also dass die Wesen sich nicht ihrer genaue Schöpfung erinnern können, und deswegen erst befähigt werden, sich an alles Mögliche hängen zu können.

Auf der Kippe:
Denkbar wären hier die vecorischen Gottkind-Häresien, oder auch Phrenesis als Die Tiefe, die sich eben an vielen Orten anbieten könnte. Als das Ding in der Tiefe, welches so fremdartig ist. Viele Möglichkeiten also.
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Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Ikelos » So 1. Feb 2015, 17:40

Soll es für die Enwe einen großen mythologischen Überbau geben oder gibt es örtlich bedingte Unterschiede in den Mythologien?

Beides hat seine Vorteile und seine Nachteile, weswegen ich die Frage als schwierig zu beantworten ansehe. Für einige Denkanstöße möchte ich beide Seiten einmal beleuchten und mit dem einen großen mythologischen Überbau beginnen.
Notwendig wäre für eine solche Entscheidung natürlich eine Mythologie, die genug Abwechslung hergibt, um eine ganze Welt damit noch immer vielfältig und keinesfalls langweilig zu gestalten. Die Entscheidung, welche genommen werden würde, ist aus meiner Sicht ebenfalls schwierig. Natürlich würde man sich der fernöstlichen Mythologie annehmen können, bei der man wohl problemlos viel vermischen könnte, allerdings hab ich davon auch sehr wenig Ahnung. Vorteilhaft wäre es wohl, wenn man sich der ganzen vielfältigen Zahl von Dämonen, Naturgeistern etc. bedienen kann, um damit die Welt zu füllen, und letztlich einige philosophische Ansätze in die Mythologie einzubauen. Oni und Kami sind uns ja aktuell auch aus der Jade Regent Runde parat.

Der Vorteil, der hinter dieser Möglichkeit steckt, wäre klar, dass man eine Schablone hat, an der man die einzelnen Ecken der Welt gestalten kann. So sucht man sich für manche Ecken bestimmte Möglichkeiten raus, für andere Ecken dann andere, und es passt alles einigermaßen gut zusammen unserem Empfinden nach. Für uns wäre ein roter Faden vorhanden und das Arbeiten wäre erleichtert. Zudem gibt es eine innere Konsistenz, der ja alles aus der relativ gleichen Hand gestaltet wurde, wenn man die göttliche Schöpfung als Grundlage nimmt. Als Konterpart wäre wohl noch eine durch die Einflüsse der Enwe entstandene Kontermythologie möglich.

Ein Nachteil dieses Vorgehens wäre, dass die Welt schnell langweilig wirken könnte, wenn man überall nur die gleichen Dinge entdecken kann. Zudem deuten unterschiedliche Mythologien auch auf unterschiedliche Kulturen hin. Nun ist hier allerdings die Frage, da wir eindeutig eine Schöpfung haben, ob die Kulturen die Mythologien ebenso beeinflussen, da es hier ja um „real“ existierende Weltenfüller geht.

Als kleinen Einschub möchte ich nun etwas zu bedenken geben: Dass wir bereits Engel, Dämonen und Teufel für uns erschaffen haben und ein grobes Konzept für die Hölle existiert sowie ein Himmel angedacht ist, orientieren wir uns mythologisch bereits in eine Richtung. Das kann man in mehrere Richtungen interpretieren, aber ein Bezug zum Christentum ist hier nicht zu übersehen. Jetzt kann man die Engel auch als Deva interpretieren, sprich als die hinduistischen Götterboten, aber eine Tendenz haben wir ja dennoch bereits vorgegeben. Das nur als ein kleiner Denkanstoß, in welche Richtung unser mythologisches Denken gehen soll.

Mehrere Mythologien auf einer Welt, ist das nicht zu unübersichtlich? Ja, vielleicht, zumindest wenn man sich auf der Erde einmal umsieht und schaut, was es nicht alles für mögliche Interpretationen zu einzelnen Kreaturen gibt. Für uns sind Orks und Elfen/Elben ja fantastische Wesen, und auch die Feen und Dämonen sind in jedem Winkel der Welt anders optisch und von den Fähigkeiten her belegt. Man vergleiche die normalen Tolkien-Orks einmal mit den Orks von The Elder Scrolls und sieht die Unterschiede schon ziemlich auf Anhieb. Das kann ein ziemliches Wirrwarr ergeben und ich finde es auch nicht so schön, wenn ein solches Chaos entsteht, dass letztlich niemand genau weiß, ob eine Tarraske nun ein Schleimspuckendes Wesen ist, oder nicht doch eher ein furchterregender Drache. Ich tendiere ja eher zu letzterem, aber wer weiß das schon?

Kann aus dem Chaos von unterschiedlichen Mythologien nicht auch etwas Positives entstehen, mal ab von einer Dopingprobe? Ich denke schon. Man muss dabei nur manuell etwas Ordnung einbauen und Wesen können ja in mehreren Mythologien vorkommen. Allerdings würde ich dann sagen, dass die Wesen dennoch eine Einheitlichkeit verpasst bekommen, damit ein Silberrücken auch ein Silberrücken bleibt. Und so entsteht für die Enwe direkt etwas Vielfalt, welche dennoch nicht widersprüchlich zueinander ist oder gar Fragen aufwirft. Ich denke zumindest, dass mehrere Mythologien nebeneinander existieren können, und das sinnig und auch ergänzend zueinander.

Darauf aufbauend würde ich sogar sagen, dass es sinnig ist, die Kulturen so zu gestalten, dass in bestimmten Gegenden nur bestimmte Götter bekannt sind und es so kleinere Gruppen gibt, die möglicherweise auch unter anderen Namen verehrt werden. Mehrere Namen für die gleiche Sache halte ich für weniger problematisch als einen Namen für mehrere Sachen, da die erste Möglichkeit eindeutiger ist. Außerdem wäre es schwierig, manche Dinge andernfalls umzusetzen, wie ich finde.
Auch habe ich bereits angedeutet, dass es möglich wäre, ein mythologisches Leitbild den Göttern zuzuschreiben und ein zweites Konterbild der Enwe. Aus diesen würden dann regionale Unterschiede entstehen, die alleine schon klimatisch bedingt sind. Denn Fryx, den großen Frostwyrm, würde niemand in die Dschungel stecken. Ich denke auch, dass dies die passendsten Möglichkeiten sind, da wir damit auch die Schöpfer und Lebensquellen abgedeckt haben. Eine Vielfalt auf Seiten der Enwe ist dadurch garantiert, dass die aus ihr entstandenen mythologischen Dinge tatsächlich regional unterschiedlich sein können. Was genau das enthält ist dabei noch nicht wichtig. Und die göttliche Mythologie ist auch abhängig von den zugehörigen Göttern. Und da wir dort auch eine Vielzahl haben, die jeweils ein eigenes Süppchen kochen, wäre es nur sinnig, diese Vielfalt auf die Enwe anzuwenden. Denn wie oft haben die Götter schon alle am gleichen Strang gezogen? Das dürfte bestenfalls dann passieren, wenn es darum geht, ein Bauernopfer zu hängen. Ich hoffe, dass meine Antwort besonders aus dem letzten Absatz deutlich wird, denn das ist die meiner Meinung nach sinnigste Möglichkeit, bin aber gleichzeitig auch gespannt auf deine Antwort.

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Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Marnarn » So 1. Feb 2015, 18:08

Welche Stellung hat die Magie in unserem Kosmos, ist sie ein Werkzeug oder eine bereits bestehende Macht?

Diese Frage hat durchaus ihre Berechtigung, weist aber über die Welt Enwe hinaus und spielt insofern erst eine Rolle, sobald wir die Enwe verlassen und uns wirklich um die Gegebenheiten der Monde, anderer Planeten und dergleichen kümmern. Die Magie des Kosmos könnte also durchaus etwas anderes sein als die Magie der Enwe. Wenn also etwas Fremdes auf die Enwe käme, hätte man durchaus die Möglichkeit, mit Magiearten etwas mehr zu spielen oder auf gewisse Punkte hinzuweisen. Dabei komme ich jedoch nicht um die Feststellung herum, dass wir ein Stück weit die klassische D&D-Magie von der Enwe getreten haben und uns mit der Scherbenmagie für ein System entschieden haben, welches uns durch Scherben, Splitter und der Zusammenführung von Scherben und/oder Splittern ermöglicht, Magie sehr variabel zu gestalten und den jeweiligen Bedingungen anzupassen. Das Scherbennetzwerk ist also ein recht simples Baukastensystem, welches für den Spielleiter und Spieler in erster Linie ein Handwerkszeug ist.

Was ist dies jedoch für die Welt? Ich denke, dass wir diese Frage erschöpfend beantwortet haben. Ein Werkzeug? Jain. Nach unserer Lesart ist Magie ein Überrest der Schöpfungsmacht, also die Macht der Götter, die Dinge zu beeinflussen. Da sie im Wettstreit miteinander zu viel, zu unkontrolliert auf die Enwe gepumpt haben, hat sie sich selbstständig gemacht und die Enwe zum "Über"-Leben erweckt. Einen Teil wird von der Enwe selbst absorbiert und bildet ihre Grundmacht, ein anderer Teil dieser Schöpfungsmacht wabert unkontrolliert über die Enwe, ist zwar unsichtbar, aber kontrollier- und nutzbar. Dieser Teil wird Magie genannt. Die Völker erlernen diese Magie, vor allem die Elben und die Drachen, und schaffen es beinahe daraus wieder Schöpfungskraft zu machen. Da es die Existenz der Götter in Frage stellt (die ja nicht mehr schöpfen können, weil ihre Macht auf der Welt liegt und die Enwe sie nicht mehr auf die Welt lässt), ersinnen sie eine List, um das Magiegefüge zu zerstören. Die gelingt, oder vielmehr zerbricht das Gefäß im Widerstreit zwischen Sterblichen und Unsterblichen, und Magie ist als Ganzes nicht mehr kontrollierbar, sondern man müsste das Gefüge (bildlich als Tongefäß dargestellt, deswegen Scherben und Splitter) wieder zusammensetzen. Die Elben verlieren ihre Unsterblichkeit als Preis ihres Hochmuts, die Magie schützt die mächtigen Völker nicht mehr vor dem Einfluss der Enwe, Evolution setzt sich überall durch und so weiter und so fort. Sie war also erst ein Werkzeug der Götter, dann ein Werkzeug der Hochkulturen der Vergangenheit und dann wurde das Gefüge zerstört und so sind die Splitter und Scherben jetzt noch die Werkzeuge von Gruppen oder Einzelne, aber unzusammenhängend und immer unter der Gefahr der Ächtung. Magie ist vielfältig, gefährlich, veränderlich, schwer kontrollierbar und gesellschaftlich im Allgemeinen nur mäßig gut aufgenommen.

Gleichzeitig ist die Magie aber auch eine bereits bestehende Macht. Sie ist impotente Schöpfungsmacht in ihrer jetzigen Form. Der heilige Gral der Magiewissenschaft ist also, die Magie wieder zusammenzufügen zu diesem ursprünglichen Gefäß, um die Schöpfungsmacht wieder potent zu machen. Sie ist die alte Macht der Götter, längst vergangen für jene Götter, die andere Wege brauchen, um sich der Vergessenheit zu erwehren, aber sicherlich noch Zugriff auf manche Scherben haben. Sie ist bestehend, greifbar und gleichsam schwer begreifbar und fassbar. Sie ist nur vereinfacht als Gefäß fassbar und dies ist ein gängiges Bild, aber sie ist ebenso gleichsam wandelbar, formbar wie der Ton, aus dem man ein Gefäß herstellen kann, und dennoch auch an gewisse Gesetze gebunden, die wir noch nicht formuliert haben. Sie ist also für die Enwe real, aber die Konsequenzen für den Kosmos sind bisher nicht ausformuliert und aufgefasst.

Jetzt könnte anhand dieser Entscheidung, die wir endgültig im Übrigen vor zwei Jahren getroffen haben, argumentiert werden, dass die Götter für die Enwe gelten und darüber keinen Einfluss haben, oder keinen Einfluss mehr, oder dass es im weiten Kosmos noch weitere Götter gibt, welche sich eben nicht an der Enwe beteiligt haben und die sich ins Fäustchen lachen, dass ihre Konkurrenten an ihrem Vorhaben sich verhoben haben. Da fällt mir auf, ist euch jemals aufgefallen, dass diese Lesart der Welt eine ziemlich gute Metapher auf geistige Errungenschaften und den Markt ist? Auf Ideen, wenn sie in die Allgemeinheit kommen? Was passiert, wenn ein Autor eine Welt erschafft, und dann nicht mehr das Hoheitsrecht über sie hat, weil sie vermarktet wird?
Eine Horde von Begeisterter schafft eine Idee und gibt ihr alle Macht ihrer kreativen (schöpferischen) Prozesse (eine Idee, eine Konzeption, eine Theorie, eine Erfindung, ein Buch, eine Welt), dann jedoch entwickelt die Idee etc. dann ein Eigenleben, und die eigentlichen Schöpfer verlieren die Kontrolle über die Prozesse dieser Idee, oder über die an dieser Idee Beteiligten. Es verselbstständigt sich und man wird aus der Sphäre seiner eigenen Entwicklung ausgesperrt, und manchmal marktrechtlich wirklich geradezu enteignet und hat nur noch einen äußeren Zugriff auf das, was man einst gemeinsam schuf. Aber jegliche wirkliche Schöpfungsmacht dieser Sache betreffend ist ausgetilgt, und nun streitet man sich mit jenen, die sich der Schöpfung bemächtigen wollen, und versucht ihnen zumindest diese Macht zu nehmen, um sich die Chance zu Zugriffs zu erhalten. Die Enwe-Götter (so unwahre Götter sie letztendlich sind) sind insofern Abbilder unserer Selbst, die wir nur im kleinen Rahmen gestalterische Mächte haben, und dass Irreale benötigen, um wahre Gestaltungsmacht zu entwickeln, die selbst dann nicht unumschränkt ist, weil physische und mentale Kapazitäten uns freilich ein Hemmschuh sind, und Fleiß (oder der Mangel daran) jeder Allmacht schnell Einhalt gebietet.

Wie dem auch sei. Er erachte es so, dass die Götter, die sich an der Enwe beteiligten, ihre komplette Macht verloren, was ihren Schöpfungsfunken angeht. Wenn wir eines Tages also tatsächlich beschlössen, die Enwe zu verlassen und den Kosmos zu erkunden, könnten andere Wesenheiten diese Macht noch tragen und damit konstituiert werden, warum die Götter so um ihre Macht kämpfen, weil vielleicht gibt es einen metaphysischen Krieg im Kosmos um Macht, und vielleicht ist es auch dort nur eine entfernte Metapher. Wer kann das schon sagen? Wer will das schon sagen? Das ist eine Frage für die Zukunft.
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Re: Fragenkatalog zu einer möglichen Mythenchallenge

Beitragvon Ikelos » So 8. Feb 2015, 13:00

Welche Rolle spielt die Mythologie für die Welt und das alltägliche Leben auf der Enwe?

Wir haben irgendwann einmal zu Beginn unserer Arbeiten gesagt, dass wir mit der Enwe eine Welt erschaffen wollen, die nicht über und über gefüllt ist mit Absonderlichkeiten, bei denen am Ende keiner mehr durchblickt, und auch den magischen Rahmen wollten wir begrenzt haben. Das Ergebnis war, dass wir uns dazu entschieden haben eine Low-Fantasy-Variante einer Welt zu erschaffen, da wir durch die zunehmende Fantastisierung in vielen Buchreihen eher abgeschreckt waren. Natürlich haben wir nun die Frage, wie sich das nun auf unserer Welt umsetzen lässt, wenn wir eine Mythologie haben wollen, die nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, nachdem wir dort jede Menge Fleiß reingesetzt haben.

Das drückt sich einerseits natürlich darin aus, dass wir nicht mehr jedes noch so unsinnige Monster bei uns rumlaufen haben, und wenn doch dann zumindest mit einer Hintergrunderklärung, wie es entstanden ist, aber gleichwohl deutlich seltener als in den Vergessenen Reichen, in denen man bei Verlassen der Stadt sofort damit rechnen muss, von einem dreiköpfigen Affen angegriffen zu werden. Und wenn solche Dinge seltener werden, dann werden natürlich auch die mythologischen Sachen seltener und weniger direkt greifbar, was eine direkte Bedeutung und den damit verbundenen Einfluss zurückstuft.

Heißt das jetzt, dass die ganze Arbeit nur entsteht, damit irgendwann einmal in einer Kampagne ein oder zwei Pfade aufgenommen werden und ansonsten darüber der Deckmantel des Schweigens ausgebreitet wird? Nein, natürlich nicht. Ich würde es so handhaben, dass die Bedeutung der Mythologie im Durchschnitt schon als relevant einzuordnen ist. Natürlich gibt es solche, die sich davor verschließen, und jene, die ein deutlich offeneres Ohr dafür haben. Der Grundtenor sollte jedoch sein, dass die Enwe immer mal wieder Trigger bekommt, die angespielt werden, um Stimmung zu erzeugen. Das drückt sich natürlich in Sprache, Redensarten und Bräuchen aus. Wir sind uns darin relativ einig, was ein mythologisches Monster darstellt, oder ein mythologisches Wesen allgemein. Dass diese nicht im Brackwasser der Beliebigkeit versinken, kann auch dadurch verhindert werden, dass man sie immer mal wieder anspricht. Das ist ein großes Unterfangen, denn es gibt ein Vielzahl von Dingen, die man dabei parat halten muss, und es ist sicherlich schwer abzuwägen, was wo wichtiger ist und somit eine größere Rolle zugeschrieben bekommt. Ich denke allerdings schon, dass das alltägliche Leben von der Bedeutung unserer Mythologie mehr als nur gestreift werden sollte, denn so etwas mit einzubauen sorgt für ein Gefühl der Welt und was in ihr vorgeht und erzeugt so die Tiefe, die man sich für ein Setting wünscht.

Das ist natürlich auch dafür verantwortlich, dass die Bedeutung der Mythologie für die Enwe selbst anwächst. Gerade in einem Fantasysetting macht die Mythologie die Fantasy erst richtig aus, und in ihrer Gesamtheit stellt die Mythologie einen wichtigen Bestandteil des Lebens dar. Wir haben gesagt, dass Monster und Wesen mit einer Aufgabe und einem Namen zu einem mythologischen Monster werden. Ich stell mir das ein bisschen wie im alten Griechenland vor. Es gibt viele Mythen und der Alltag ist durchsetzt mit einer Vielzahl von Göttern und Heldenepen (zumindest auf dem Papier und in die Philosophie, in der Realität ist ja doch meist die Politik ausschlaggebend). Man bekommt durch die Götter- und Sagenwelt ein Gefühl für das Leben der Griechen, insbesondere durch Literatur, doch ein direkter Einfluss auf das Leben ist nicht feststellbar. Natürlich wäre das Leben der Griechen aber anders, wenn sie diese Kultur, diese Mythologie, nicht hätten, und ich denke, dass das auch für die Enwe gilt. Ich denke, dass die Mythologie zu jenen Stellschrauben gehört, die am Ende zwar nicht dauerhaft wahrgenommen werden, aber dafür verantwortlich sind, dass das Leben so funktioniert, wie es am Ende funktioniert. Auch wenn nicht jeder mythologische Aspekt für sich genommen nicht wichtig erscheinen mag, ist die Gesamtheit der Mythologie für Enwe wichtig.

Damit zurück zur Bedeutung für das alltägliche Leben. Wie ich bereits erwähnt hatte, sollte die Mythologie Einzug in den Alltag halten. Die Legende von demjenigen, der einen Pfeil im Knie kassierte, oder der verfluchte Drache, der einen holen kommen möge! Vielleicht erscheinen viele Dinge einfach nicht als real, und werden abgetan als „gibt es ja gar nicht“, auch wenn hinter all dem ein Fragezeichen steht. Ich denke auch, dass dieses Fragezeichen gut für das Spielgefühl ist, und wenn für eine Situation etwas Wichtigkeit erlangt, verdichten sich die Hinweise und Spuren darauf, dass es diesen mythologischen Aspekt wirklich gibt.

Bisher haben meine Überlegungen nur auf Monstern gefußt, aber natürlich gehören auch andere Dinge zur Mythologie. Die Nachwelt, die Astronomie, die Götter und auch die Magie – Engel und Teufel und was nicht alles. Diese Dinge sind natürlich wichtig für die Enwe und geben ihr ihre Form. Hierzu würde ich sagen, dass alles den Alltag der Enwe stärker beeinflusst als die Enwe selbst. Natürlich gibt es Dinge, die Einfluss auf die Welt haben, dazu seien die Götter genannt, aber einen wirklichen Einfluss hat die Astronomie auf die Welt nun nicht. Sie dient eher als mythologisches von Menschen geschaffenes Konstrukt.

Ich denke ich konnte darstellen, dass die Mythologie meiner Meinung nach eine angemessene Bedeutung erfahren sollte und den Alltag indirekt beeinflusst. Mythologische Vorkommnisse sind nicht immer greifbar, und das sollen sie auch nicht sein, denn sonst wären sie ja alltäglich. Dennoch wird über sie geredet, mit regionalem Fokus natürlich, was die Mythologie und die Welt zum Leben erweckt. Das bringt einerseits Leben in die Welt, lässt sie aber nicht mit derartigen Wesen überladen wirken, denn vieles taugt als Legendenstoff, wird aber wohl in einer Spielrunde niemals vorkommen, lässt die Welt andererseits aber auch wie ein gefährlicher Ort erscheinen, in dem Abenteurer ihre Daseinsberechtigung haben, Stichwort Erkundung und Erforschung.


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