Albische Geschichte

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Ikelos
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Albische Geschichte

Beitragvon Ikelos » Mo 10. Okt 2011, 01:13

Ich hab das hier grad auf meiner Festplatte gefunden. Hab ich das schon wem gezeigt?
Ist schon etwas älter, aber scheint mal einen Sinn gehabt zu haben, denn es war im Enwe-Ordner

Und so nahmen die Götter den Elben ihre Unsterblichkeit, und der Hauch des Vergänglichen umgab sie fortan. Doch nicht alle lernten daraus. Eine handvoll der ihren tat sich zusammen und versuchte, die Unsterblichkeit wieder zu erlangen. Sie mischten Tränke, zogen aus, den Stein der Weisen zu finden, der ewiges Leben schenken soll, oder nutzten andere Magie, auch schwarze, doch niemand von ihnen schaffte es, sich der Zeit zu widersetzen und seine Seele dauerhaft in seinem Körper zu halten. Die Suche nach dem richtigen Trank raubte den Lebensfunkengierigen die Zeit aus dem Mark, der Stein der Weisen machte die Suchenden verrückt und trieb sie in den Selbstmord, und auch die Magie machte niemanden glücklich, denn die untoten Körper zerfielen irgendwann zu Asche, ebenso wie die Seelen, die unter dieser Tortur sehr litten.
Doch gibt es eine Legende, die von Lithril erzählt, jenem unglückseligen Elben, der sich alles Leben zum Feind gemacht hat, und mit dem Tod näher verbunden ist als so mancher Toter.
Eines Tages zog auch er aus, um die Unsterblichkeit wiederzuerlangen. Er war nicht mehr der Jüngste, weshalb der Hauch des Todes ihm mit besonderer Härte entgegenschlug. Er lebte schon beinahe ein Jahrtausend, und ihm wurde prophezeit, dass er nur noch wenig Zeit haben würde, auch wenn sein Körper keine Makel des Alters aufweisen würde. Und er merkte es selbst, denn sein Herz schlug nicht mehr so kräftig, und so manches Mal ließen ihn seine Sinne auf größere Entfernung bereits im Stich. Doch dies alles entmutigte Lithril nicht, vielmehr spornte es ihn an, denn er sah es als einen Wettlauf mit dem Schnitter, dessen Sense er bereits hinter jeder Biegung erwartete. So trieb er sich also selbst unermüdlich voran auf der Suche nach einem Mittel, den Tod selbst zu besiegen und über alles Leben hinaus den Göttern nahe zu sein.
Und tatsächlich, im dritten Jahr seiner Suche – Lithril spürte den Biss der Zeit bereits stark in seinen Knochen stecken – traf er eine zwielichtige Gestalt, die ihm einen heißen Tipp geben konnte. Er konnte nichts an ihr erkennen, und er vernahm nur eine schwache, hohe Stimme, die ihm riet, zum Kreis der Ewigkeit zu gehen und auf dem Altar der Zeit einen Tropfen Blut zu vergießen. Nie hatte der Elb etwas von solchen Monumenten gehört, doch die vermummte Gestalt, die zwar finster, doch irgendwie vertrauenswürdig wirkte, gab ihm den Rat, dem Pfad, der sich in wenigen Tagen nach Westen auftun würde, zu folgen, bis er sein Ziel von alleine erkennen würde. Lithril tat, wie ihm geheißen, denn was hatte er zu verlieren? Nach wenigen Stunden war er sich nicht mal mehr sicher, ob er die Gestalt wirklich oder nur im Traum getroffen hatte. Doch es störte ihn nicht, denn konnte er einem Wesen aus den Träumen nicht eher trauen, als fremden Leuten auf der Straße?
Leise Zweifel kamen in ihm auf, doch diese wurden im Keim erstickt, als am dritten Tag zu seiner linken ein schmaler Pfad erschien. Mit der Entschlossenheit eines wütenden Stiers und der Überzeugung eines Hohepriesters, dass er dem Tod nun doch von der Schippe springen würde. Weitere sieben Tage folgte er dem Pfad, den er für sich den Pfad des Lichtes nannte. Er empfand dies als angemessen, da er der Dunkelheit damit auf ewig abspringen würde. Am Mittag des siebten Tages erreichte er eine seltsam anmutende Steinformation. Es waren 12 Steine, der höchste zwei Menschen hoch, der kleinste nur etwa einen halben Halbling. Diese beiden standen sich direkt gegenüber, und die jeweils fünf Steine, die in Kreisform zwischen ihnen standen, wurden vom größten zum kleinsten hin in kleinen Stufen kleiner. Auch sah der große Stein am besten erhalten aus, hingegen der kleinste am stärksten vom Zahn der Zeit mitgerissen. Lithril überlegte, ob dies der Kreis der Ewigkeit sein könnte. Er interpretierte zwar einen Verfall hinein, doch auch Wiederauferstehung, und könnte der ewig wiederkehrende Zyklus dieser beiden Dinge nicht die Ewigkeit darstellen? Es klang schlüssig für ihn. Und das steinerne Podest in der Mitte des Kreises überzeugte ihn letzten Endes, auch wenn er ihm nichts ansah, was auf Zeit schließen ließ. Dennoch, in ihm regte sich der innige Wunsch, dass dies sein Ziel sein würde, und so überzeugte er sich selbst mehr und mehr davon, dass er sein Ziel auch erreicht hatte. Als es ihm gelungen war, jeden Zweifel auszuräumen, fiel eine Last von seiner Schulter und er begab sich zum Altar der Zeit, wie er vermutete. Als er dort lag, und er sich mit einem Grashalm in den Finger schnitt, realisierte er erst, was dies für ihn bedeuten würde. Er würde über allem Leben stehen, was vergänglich war. Einem Gott ähnlich zu sein, daran hatte er vorher schon gefallen gefunden, aber als was würde man ihn verehren, wenn er zwar seine Einzigartigkeit aufgeben, aber dem elbischen Volk in seiner Gesamtheit die Unsterblichkeit wiedergeben würde? Er würde über allen Göttern stehen!
Die Wunde an seinem Finger schmerzte, doch er ertrug es, und der erste Tropfen Blut zeigte sich. Lithril betrachtete ihn in all seiner Schönheit und Vollkommenheit. Elbenblut. Noch war es sterblich und würde vergehen, doch in wenigen Momenten würde ihm jeglicher Makel abgehen. Er blickte lange auf das Blut, und als er zu groß war, um der Höhe zu trotzen, hielt er den Atem einen Augenblick an und verfolgte seinen Fall gespannt.
Als der Tropfen mit einem leisen Geräusch auf der Steinplatte zerplatzte, kam ein Wind auf. Erst leise, doch dann immer stärker heulend. Er wurde begleitet von plötzlich den Himmel bedeckenden Wolken und einer starken Dunkelheit. Die Entschlossenheit des Elben geriet ins Wanken und leise Zweifel kamen auf. Hatte er wirklich das Richtige getan? Was passierte da, er konnte sich nicht vorstellen, dass das so sein sollte, wenn er die Sterblichkeit ablegen sollte. Doch dann erschallte wie ein Donnerschlag eine Stimme in der Luft, deren Klang noch Augenblicke später nachhallte: „Niederes sterbliches Wesen, was erdreistest du dich, an meinen Tempel zu treten, ohne mich zu kennen, und mich zu rufen, ohne mich zu verehren? Sprich, bevor ich deinen Kopf in tausende winzige Stückchen explodieren lasse!“
Lithril zuckte ängstlich zusammen. Er wusste nicht, womit er da sprach. Vielleicht wollte er es auch gar nicht wissen, in dem Punkt war er sich nicht sicher. Sicher war er sich nur darin, dass er sterben würde, wenn er schwieg. „Oh großer Herr des Kreises der Ewigkeit! Ich kam, um den Makel der Sterblichkeit abzulegen und ewig zu sein! Bitte, erfüllt mir diesen sehnlichsten Herzenswunsch!“
Die Stimme schwieg, denn sie gehörte Imbrasil, dem Herrn der Alben. Er erkannte in Lithril das Opfer einer List, womöglich die List eines seiner Kinder, und so beschloss er, dem niederen Elb seinen Wunsch zu erfüllen. Mit ruhigerer Stimme, mehr wie ein Orkan, sprach er zu Lthril: „Mein Sohn, ich erkenne deinen sehnlichsten Wunsch. Und er soll dir in Erfüllung gehen! Ein Opfer wirst du bringen müssen, bist du bereit, dies zu tun? Selbst ohne zu wissen, welches es sein wird?“
Der Elb geriet bei den ersten Worten in ein wahres Stimmungshoch und vergaß alle bedenken. Er hatte es geschafft, es war soweit! Gedankenlos jauchzte er voller Freude: „Ja, ich werde alles opfern! Nehmt mir die Angst vor der Zeit, und nehmt, was ihr wollt!“
Und Imbrasil tat es! Er ließ ein Wunder geschehen, und Lithril spürte, dass etwas mit ihm geschah. Er konnte nicht sagen was, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Als er versuchte, zu sprechen, kam kein Wort aus seinem Mund hervor, und als er erschrocken die Hand vor diesen legte, erschrak er erneut, denn er sah auch diese nicht mehr. Doch etwas anderes spürte er. An seinem Finger, den er sich mit dem Grashalm aufschnitt, spürte er einen heißen Schmerz, der von Augenblick zu Augenblick schlimmer wurde. Er verzweifelte, denn er konnte sich nicht bemerkbar machen. Er wollte schreien, doch er spürte nur den Lufthauch aus seiner Kehle. In seinen Gedanken hörte er die körperlose Stimme erneut. Sie wirkte beinahe amüsiert: „Herzlichen Glückwunsch, du hast es geschafft, die Sterblichkeit abzulegen. Deinem Leben ist hiermit kein zeitliches Ende gesetzt, denn der Tod kann dich nicht finden. Das Opfer, welches ich von dir verlange, ist deine Stimme. Wir haben das Dasein an sich mit dieser Tat betrogen, und niemand sonst soll von dieser Tat erfahren, wir würden beide Probleme bekommen. Deshalb bist du unsichtbar, wirst niemals wieder ein Geräusch von dir geben, und kannst auf magische Art und Weise nicht aufgespürt werden. Doch es gibt noch ein Opfer, welches der Umstand an sich fordert, neben meinem, denn du bist jetzt todlos. Die Wunde, welche du dir beigebracht hast, wird sich als Preis dafür nicht mehr verschließen. Keine Sorge, sterben kannst du dadurch nicht. Doch es raubt dir die Kraft zu leben. Deine Hülle wird irgendwann leer und verbraucht am Wegesrand liegen, und du hast keine Kraft mehr, dich aufzuraffen. Du wirst gefangen sein in deinem Körper. Alleine.
Doch es gibt einen Weg, dies zu vermeiden. Du musst den Hauch des Todes in dich bringen, den andere Wesen erlangt haben. Den mächtigeren Hauch. Ein Leben, welches durch Magie ins Leben zurückgeholt wurde, hat diesen Hauch in sich. Töte diese Wesen, und der Hauch fährt in dich, und du kannst so lange fortbestehen, wie dieses Wesen noch gelebt hätte. Ich wünsche dir ein fröhliches Leben.“
Lange Jahre hörte man nichts mehr um Lithril, doch irgendwann kam eine albische Legende auf, die sich auch unter den anderen Völkern rasch verbreitete. Es heißt, wenn beide Monde verdeckt sind und die Nacht am finstersten, dann geht ein Schrecken in der Nacht umher, der Wesen, denen ein zweites Leben geschenkt wurde, dieses aus der Brust entriss. Ungesehen und ungehört kam er, und ebenso verschwand dieser Schrecken wieder. Und wirklich, niemand hatte diesen Schrecken jemals erblickt, doch viele Schauermären nähren die Legende seither. Die jugendliche Kraft soll aus den Körpern der Opfer gesogen worden sein, es hieß, sie alterten innerhalb von Sekunden um Jahrzehnte, und zerfielen irgendwann zu Staub und Asche. Einzig eine Spur von spärlichen Bluttropfen war als Beweis für die Anwesenheit eines Lebewesens vorhanden, wenn überhaupt. Mit der Zeit bekam der Schrecken einen Namen. Seither heißt es, dass manche Kleriker den ins Leben zurückgerufenen Verstorbenen sagten: Lebe wohl, doch hüte dich vor Lithril – denn er begehrt deine Zeit!

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Re: Albische Geschichte

Beitragvon Marnarn » Di 11. Okt 2011, 15:38

Ich habe die Geschichte nochmals gelesen. Der Beitrag vom 12.06.2009 ist stets unbeantwortet geblieben, da ich törrichterweise meine Antworten zu diesem Konzept über einen Messenger gegeben habe und dieses Log schon lange in den Weiten der Vergessenheit angekommen ist. Eigentlich verdiene ich dafür eine Maulschelle, habe ich doch auf die Einführung und auf das Nutzen eines Forums gepocht, um eben die Diskussionen und den Meinungsaustausch zu solchen Punkten festzuhalten. Da ich mir von Neuem Gedanken zu dieser Geschichte machen muss, kann ich natürlich nicht versprechen, dass meine Conclusio dieselbe wie vor 2 1/4 Jahren sein wird. Aber ich will mich daran versuchen.

Zuerst zwei Fragen, die organisatorischer Natur sind.
  1. Was soll mit dem älteren Beitrag geschehen? Da wir keine zwei Diskussionsfenster für einen und denselben Eintrag brauchen, würde ich gerne einen der beiden löschen. Wenn es einen guten Grund dafür gibt, beide Beiträge zu behalten, bin ich selbstverständlich dazu bereit.
  2. Wieso steht dieser Beiträg innerhalb deiner Völker? Anhand des eigentlichen Beitrags würde ich vermuten, dass es eine Art Geschichte/Mär ist, welche sich das albische Geschlecht erzählt oder jenem als Zeichen der Überlegenheit sogar weitergetragen wird. Dementsprechend würde ich es ohne Weiteres der Kategorie Geschichte zuordnen. Jedoch lässt die Überschrift des Originalbeitrages - Die Legende der totlosen Todesjäger - vermuten, dass Lithril zwar der Erste unter ihnen ist, es jedoch deutlich mehr davon gibt.

Diese Frage ist das Zentrum meiner bisherigen Überlegungen. Lithril ist ein Elb und dementsprechend würde man am ehesten auf dem Elb/Alb-Antagonismus rumreiten wollen, wenn man sich weitere Schritte für diese Idee überlegt. Allerdings scheint mir dieser Überbau eher eine Motiverklärung für Lithril zu sein und dementsprechend keine Notwendigkeit für Personen, welche zu todlosen Todesjägern werden. Was man sich vorstellen kann, das ist sicher dieser unbändige Wille unsterblich zu werden - was Völker, die ehemals der Unsterblichkeit anhängend waren, prädestiniert - als Voraussetzung/Verlockung für das Handeln Imbrâsîls. Das heißt als Frage formuliert: «Lockt Imbrâsîl alle Nichtalben (oder gar alle Wesen außer jene Alben, die Imbrâsîl verehren?), welche die Unsterblichkeit erringen wollen, nachdem er das Leben Lithrils gekostet hat, in diesen Steinkreis (diese Steinkreise?), um ihnen das Leben insofern zu erhalten, dass sie nicht sterben, ihnen aber der eigentliche Lebensfunke genommen wird?»

Damit verbunden wären zwangsläufig die Frage nach der Motivation Imbrâsîls oder des dementsprechenden Dieners, Verbündeten oder Betrügers, der im Namen des albischen Gottes der Schatten (eigentlich Dunkelheit, aber es gibt inzwischen eine spezielle Schattendomäne, welche er noch verpasst bekommt statt Dunkelheit) handelt.
Für Imbrâsîl wäre es durchaus möglich, dass er eben jene Lebensenergie künstlich sammelt, welche ein bestimmtes Elbengeschlecht (eben jenes, welches jetzt als Alben bekannt ist) für einen Macht ein Teil ihres Lebens den Schatten opferte. Das Aussaugen und Stehlen der Lebensenergie kann also genutzt werden, um die eigenen Leben der Alben zu verlängern. War sowas in grober Richtung dafür eingeplant gewesen oder ist es der Lebens- und Machtbrunnen eines Teufels oder eines Dämons?
Ich bin mir sicher, dass noch nicht alles zu diesem Steinkreis (diesen Steinkreisen) gesagt werden kann, weil er/sie innerhalb der Kultistenrunde noch eine Rolle spielen werden. Aber dennoch wollte ich dies als Anmerkungen länger greifbar halten. Deswegen auch nur eine kurze, knappe Überlegung, ohne zu tief gehen zu wollen.

Anhand dessen, dass ich mir Gedanken zu diesem Text gemacht habe, dürfte klar geworden sein, dass ich die Idee mag.
Soviel für den Moment. :)
"Charakter ist ein Fels, an welchem gestrandete Schiffer landen und anstürmende scheitern." - Jean Paul, Levana


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