Exules

"Zu jedem Zeitpunkt der Geschichte hat es eine oder zwei Städte der monströsen Art gegeben - z.B. Babel oder Babylon, Ur-Lhasa, Ninive, Syrakus, Rom, Samarkand, Tenochtitlan, Peking - aber wir leben heute im megapolitanischen (oder nekropolitanischen) Zeitalter, wo solche Desaster sich vervielfältigt haben und die Gefahr besteht, daß sie zusammenwachsen und die Welt unter totem, aber multipotentem Großstadtmüll begraben." - Fritz Leiber, Herrin der Dunkelheit
Benutzeravatar
Marnarn
Administrator
Beiträge: 585
Registriert: Do 29. Sep 2011, 20:04
Wohnort: Borgdorf-Seedorf
Kontaktdaten:

Exules

Beitragvon Marnarn » Fr 30. Sep 2011, 08:49

Original von Marnarn vom 19.10.2009

Der Tag, an dem zehntausend Nadeln aus dem Himmel fielen, ist ein besonderer Tag für die Murinoide. Er ist der Tag der Freiheit, der Tag der Unabhängigkeit, der Bruch mit dem vorherigen Leben.
Die Seher der Murinoiden hatten die Zeichen des Himmels wahrlich verstanden, der ewige Winter würde bald einbrechen, so wie es in den Prophezeiung des großen Barafu hieß.
Barafu, das war der Name ihres Feindes. Ein gigantischer Drache von schier unendlicher Macht, ihr Stammvater, ihr Knechter, ihr Herr und ihr Bestrafer. Die Rattlinge hassten ihn, sie waren Barafus Köder, Leibeigene und zuweilen auch Leibspeise.
Besonders Delf verspürte unendlichen Hass auf dieses drakonische Wesen, doch Delf war ein besonders schlaues Exemplar seines Volkes, weshalb er die Prophezeiung studierte und auch verstand.
Der große Drache war nicht mehr einverstanden mit seinen "Bissen", wie er sein Volk stets nannte, und er wollte sein Volk bestrafen, weil es zu schlau geworden war, zu widerstrebend. Barafu verfluchte den Umstand, dass er den Rattlingen zugestanden hatte, lesen zu dürfen.
Delf hatte ein Teil seines Volkes mobilsiert und ohne das Wissen des Drachen hatten sie im nördlichsten Gebiet des großen weiten Landes, welches sie bewohnten, begonnen eine riesige unterirdische Stadt zu schaffen und nach Jahren der Entbehrung und der Heimlichkeit war es ihnen auch gelungen.
Dann war es dieser wundersame Tag, an dessen Morgen die ersten Eisspitzen vom Himmel fielen und das einstmal grüne und saftige Land begann zu verfrieren. Delf sammelte seine Jünger zusammen und gemeinsam schritten sie in die Unterwelt in ihre neue Stadt, welche sie Ghar Ajab (Seltsames Haus) nannten und so entgingen sie der Strafe des Drachen, der sie ausrotten wollte.
An diesem Tag begannen die Murinoiden ihre eigene Zeitrechnung. Es war der erste Tag des ersten Jahres. Der Tag, an dem zehntausend Nadeln aus dem Himmel fielen. Und sie kannten nur einen Fixpunkt für ihre Zeitrechnung. Die Freiheit.


Das ist eine erste Skizze der Freiheitsgeschichte der Murinoide, welche natürlich noch viel schöner ausstaffiert werden kann und vielleicht auch muss. Aber für den Moment soll das erstmal als Grundlage reichen, da wir die essentiellen Punkte bereits rausziehen können.

Es ist hier vor allem die vorherige Rolle der Murinoiden erkennbar, welche der Willkür ihres Herren ausgeliefert sind. Sie sind also Leibeigene, welche dem Drachen Barafu dienlich sein müssen.
Diese Idee stammt eigentlich aus der Feder von Nicolaj, welcher sie damals eigentlich als Ursprung der Menschen vorgeschlagen hatte. Ich fand diese Darstellung damals nicht passend. Ich finde sie auch heute immer noch nicht für den Menschen passend, aber als Grundlage für das Volk der Rattlinge finde ich diese Darstellung sehr gut. Daher ein Dankeschön an Nicolaj für die Idee, welche ich hierfür recyclen konnte.
Die Murinoiden sind also im Beginn ihres Daseins Sklaven, vielmehr noch Leibeigene, welche von der Gnade Barafus abhängig sind, wie die Darstellung zeigt, dass der Drache sein Dienervolk, zumindest die inzwischen selbstständig Denkenden, bestrafen will. Das bedeutet, ausrotten.
Barafu selbst ist, wie bereits erwähnt, ein Drache. In meiner Darstellung wird er sogar ein ziemlich mächtiger Drache sein, welcher über die Domäne des Eises gebietet. In seiner Willkür und seinem Fresstrieb (schließlich sind die Murinoide auch seine Leibspeise) und seinem Element (Eis) ähnelt er jetzt bereits dem Profil eines weißen Drachen, welchen er wohl dann auch darstellen wird.

Der Text gibt einen kurzer Überblick über die weitere Entwicklung der Murinoide. Es klingt an, dass sie inzwischen zu intelligent geworden sein. Wie kommt das zustande? Als Grundlage, da die Murinoiden ein gottloses Volk sind und auch keinen dazugehörigen Gott haben, wird hier das Evolutionsprinzip Darwins benutzt.
Hierbei kann man im Grundsatz von der Mallomys Riesenratte ausgehen, welche durch zufällige Mutation einen Grundintellekt erhält. Das fällt dem großen Drachen Barafu, der auf dem unbenannten Kontinent des Südens lebt, auf und er nimmt sich der Ratten als Züchter an. Er kreuzt unter Umständen etwas ein und züchtet sie vor allem auf Intellekt, gerade auf den Bau und das Benutzen von Werkzeugen. Am Ende dieser Evolution und Zucht steht der Vorfahr des Murinoiden, welcher nun in der Lage ist selbst Werkzeuge zu bauen, zu benutzen und auch weiterzuentwickeln. (An dieser Stelle verweise ich schonmal auf einen technologischen Trieb, welchen ich an derer Stelle genauer beleuchten werde)
Allerdings ist die Evolution an dieser Stelle noch nicht vorbei, was Barafu unterschätzt. Es herrscht eine gewisse Singularität vor, das bedeutet, dass die Rattlinge sich auch ohne den Einfluss von Barafu weiterentwickeln und so geht Barafus Plan schief. Hat er sie erst als seine Leibarbeiter gezüchtet, werden sie Stück für Stück selbstständiger, was sich besonders in der Person Delf zeigt, welcher zu diesem Zeitpunkt noch ein weitesgehend unbeschriebenes Blatt ist.
Um einen kurzen Einblick in Barafus Motive zu geben: Er braucht Hilfsarbeiter, welche die Transformation des grünen Kontinents in eine Eiswüste vorantreiben. Daher ist die Prophezeiung von Barafu nicht so verwunderlich.

Der zu diesem Zeitpunkt junge Delf ist inzwischen soweit fortgeschritten in seinem Intellekt, dass er als vernunftbegabt eingestuft werden kann und damit auch eigene Erkenntnisse aus Zusammenhängen erschließen kann. Er erkennt die Unzufriedenheit Barafus und die Gefahr für sein Volk. Ein paar Exemplare der Murinoide, welche ähnlich weit sind, kann er dazu überzeugen, dass sie sich vor der Willkür des Drachen schützen müssen und sie kommen überein, dass das Heil im Exil liegt. Da sie aber nicht in der Lage sind, sich weit von dem Drachen zu entfernen, da sie sonst getötet werden, bauen sie eigentlich unter den Augen des Drachen eine unterirdische Stadt (welche zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht sonderlich groß ist), welche an dem Tag, welchen Barafu für die Erfüllung der Prophezeiung ausersehen hat, als Ziel ihres Auszuges dienen soll und ihre neue Heimat werden wird. Schließlich kommt es auch zu diesem kataklystischen Ereignis, in welchem der gesamte südliche Kontinent, welcher vorher von Gebirgen und Täler durchzogen war, im ewigen Eis festgesetzt wird und nun an ein Eiskontinent ist, auf dem kaum Leben existieren kann. Doch unter der meterdicken Eisschicht existiert nun ein seltsames Haus in dem die wenigen Überlebenden der Katastrophe ein neues Leben beginnen. Fortan nennen sich die Rattlinge bzw. Murinoide auch Exules, die Verbannten.
Das ist der Beginn jeder weiteren Überlegung zum Kontinent, seiner Geschichte, seiner Völker, Eigenarten etc. pp.
"Charakter ist ein Fels, an welchem gestrandete Schiffer landen und anstürmende scheitern." - Jean Paul, Levana

Zurück zu „Geschichte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast