Eine Künette voller Elben

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Marnarn
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Eine Künette voller Elben

Beitragvon Marnarn » Sa 29. Dez 2012, 00:58

Dieser Beitrag wird nichts Definitives enthalten. Er wird keine Werte oder festen Regeln entwerfen und auch keinen Kanon für die Enwe festlegen. Die soll an den Anfang gestellt werden, zum einen für die inzwischen doch vorhandenen Mitleser, zum anderen für jene Leser und Mitbearbeiter, welche sich nicht in dieses Thema eindenken oder einlesen wollen, sondern einfach nach weiteren Werten oder Aspekten für die Elben suchen, als letztes soll es jedoch auch für mich stehen und eine Art Luftveränderung sein. Wie unschwer aufgefallen sein dürfte, war der Dezember der aktivste Monat im Bau der Enwe seit langem, wahrscheinlich seit Jahren. Und nachdem ich in den letzten Wochen vor allem Spielkanon und Spielwerte im Regelsinne erschaffen habe, wollte ich nach dieser Zeit endlich mal wieder ein gedankliches Faß aufmachen. Die folgende Überlegungen sind in keinster Weise vorkonzipiert, sondern mir eben (Im Laufe von Nachmittag und Abend) gekommen. Dementsprechend unsortiert werde ich den Beitrag schreiben. Er wird auch ein Beitrag aus einem Guss sein, also entgegen meiner Gewohnheit werde ich den Beitrag nicht unterbrechen für Recherche, Einschübe, Sortierungen, Verlinkungen, Querverbindungen und dergleichen (Mit der Ausnahme der Dogmen Seheiahs, die ich vorher rausgesucht habe). Doch nun zum eigentlichen Beitrag.

Eine Künette entstammt der Fachsprache des Bauwesens und meint im weitesten Sinne wasserführende Ausschachtungen innerhalb von Gräben (in der Wehrtechnik, um Gegner an einer Stelle das Durchwaten des Wasser bspw. schwerer zu machen) oder auch im allgemeinen Bau eine Ausschachtung, in die Kabel oder andere Leitungen verlegt werden. Sie sind an sich nicht übermäßig in der Bedeutung der Fortifikationstechnik der frühen Neuzeit, aber es verlangsamt den Vormasch des Gegners doch und ist ein kleines Hindernis, und zu gern auch der Bodensatz des Abwassergrabens. Beim Bodensatz des Abwassergrabens sind wir auch beim Elbengeschlecht angelangt. Nicht, dass das Elbengeschlecht an sich unbedeutend wäre, aber ich glaube, dass unter dem, was wir von den Elben kennen und verstehen, wie wir sie sehen und immer genutzt haben, noch etwas ist. In diesem Brackwasser fester literarisch-mythologischer Normen (spitze Ohren bspw.) und beliebiger Weiterentwicklung (Aus Elfen werden bspw. abgrundböse, matriarchalische Drow) liegt diese kleine Künette. Und als ich nun diesen Graben voller Unrat, den die Elben doch so oftmals für mich darstellen, durchwatete, um dieses Volk regeltechnisch zu überarbeiten und sie etwas greifbarer als Volk zu machen, als unser erster Entwurf (der inzwischen fünf Jahre alt ist und aus der Hüfte entwickelt wurde, und dem auch eine zu langweilige Stereotype mehrfach vorgeworfen wurde) es vermag, versank ich auf Höhe der Künette. Stand mir das elbische Blasenwasser vorher schon bis zum Hals, sank ich nun ein in die Scheiße von mindestens 75 Jahren literarischer Entwicklung der Elben und blieb stecken. Dieses Steckenbleiben verdeutlicht dieser Beitrag. Denn dieser Moment des Steckenbleibens ließ mir die Zeit, mir diese abgelagerten Fäkalien der letzten Dekaden zu begutachten und dabei fiel mir etwas auf. Mir fiel auf, dass ich das elbische Wesen bisher nicht ausgiebig hinterfragt habe, wenn ich es denn je überhaupt tat. Ehe ich als ans Ufer mich retten konnte, musste ich also in geistig schmerzvoller Manier feststellen, dass die Elben eigentlich nur beliebige Blondlinge mit spitzen Ohren sind, die vergrößert wurden, damit sie nicht so merkwürdig wie die D&D-Elfen aussehen, und die ansonsten mit den gängigen Stereotypen der Fantasywelt ausgestattet wurden.

Dass eine Stereotypisierung von Völkern unumgänglich ist, um sie darzustellen, das dürfte jedem bewusst sein. Das ist auch nicht die eigentliche Kritik an meinem Vorgehen, sondern dass ich einfach nicht das Elbenwesen überhaupt erst mal in Frage gestellt habe, und zwar in seinen Fundamenten. Oberflächlich, da kann ich mich vor mir selbst verteidigen und es beweisen, habe ich dieses Hinterfragen begonnen. Die Elben und ihre dazugehörige Göttin Seheiah sind ursprünglich aus Nicolajs und meiner Feder. Entstanden sind die in den ersten Zügen des Projektes in einem gemeinsamen Raum (wie auch die Alben), also bei mir zuhause, in absolut kurzer Form. Beide waren sich sicher, dass jeder wüsste, was Elben dieser Tage im Rollenspiel sein. Wir passten die Geschichte außen rum etwas an (Elben gegen Alben, über die Jahre auf albische Seite verfeinert, sodass dieses Volk einen Charakter hat und eine Geschichte), aber das war es. Datenarchäologie ist ein immer wichtigeres Thema, und für Laien sind die Spuren schwerer zu betrügen als mit materiellen Dinge. So kann ich nachweisen, dass unsere handschriftlichen Elben und Alben in erster, abgestimmter Netzfassung ziemlich Mai 2008 (genaues Datum müsste ich recherchieren) entstanden. Während die Alben sich weiterentwickelten, blieben die Elben stehen. Zwar wurden Elben immer wieder in Kampagnen benutzt, sogar als wichtigere oder gar tragende NSCs, aber an dem Volk tat sich nichts. Es wurde - zumindest von mir - immer als gegeben hingenommen. Doch ich störte mich daran. Ich konnte meine Probleme mit diesem Volk nie wirklich definieren, geschweige denn nur paraphrasieren. Aber das Unbehagen war da und es äußerte sich auch in Debatten mit Nicolaj über dieses Thema. Mangelnde Tiefe war immer ein gern genannter Grund. Die letzte, größere Beschäftigung, welche eine Änderung hätte bezwecken sollen, war vor ziemlich genau einem Jahr. Nicolaj und ich habe diese Unterredungen über MSN geführt und ich müsste die Logs raussuchen und es nachlesen (wenn es noch verfügbar ist. Wenn MSN spinnt, speichert er ja gerne mal ein paar Stunden keine Logs und solche Späße. Das habe ich aber nicht geprüft bisher.), um mich an Wortlaute zu erinnern. Ich erinnere mich jedoch an die Tendenz dieses Gespräches. Am Ende (das war im Januar 2012) stand ein neues Dogma von Seheiah, welches bis heute nicht in irgendeiner Form seinen Weg in dieses Forum gefunden hat. Wir haben es auch kurz danach aus den Augen verloren. Für das Protokoll und ehe ich es verliere oder vergesse, werde ich das neue Dogma hier zitieren, wie auch das alte, damit es gegeneinander vergleichbar ist.

Altes Dogma:
Artem non odit nisi ignarus
„Nur der Dumme verachtet die Kunst“
Alles Schöne wird in der Kunst gefunden, die Kunst ist die Vollendung aller Dinge. Eine Schöpfung ist erst dann perfekt, wenn sie Kunst geworden ist und so seid ihr, meine Kinder, auch die vollendete Kunst. Vollkommenheit und Feingliedrigkeit, so seid ihr das schönste Volk.
So ist dein erstes und oberstes Gebot die Schönheit und somit dein Volk zu achten und zu bewahren. Doch achte auch die anderen Völker, denn wir schützen auch sie, halten unsere heilende Hand über ihre Wunden, die sie sich in ihrer Sturheit und ihrem Hass zufügen. Die Menschen untereinander, die Zwerge untereinander und jedwedes anderes Volk untereinander.
Doch ein Volk achten wir nicht! Jene, die versuchten uns auszurotten, jene, die Verrat begingen! Die Alben! Niemals soll ein Elb seine heilende Hand über einen Alben halten! Niemals sein ein Schwert, welches gegen einen Alben erhoben wurde, in der Scheide verschwinden, ohne dass auch nur ein Tropfen Blut vergossen wurde!
Denn sie sind eine Farce unserer Rasse, sie sind der Hohn und der Spott, die alles Schöne, jedwede Kunst korrumpieren und zersetzen!

Neues Dogma:
Schönheit – Vollkommenheit – Perfektion
Meine Kinder, strebt nach diesen Dingen, die es zu erreichen gilt, um den rechtmäßigen Platz an der Spitze der Völker einzunehmen. Verschreibt euch dabei den Disziplinen der Selbsterkenntnis und der Kunst, denn nur wer sich wahrhaft selbst erkennt, kann die eigenen Stärken zur Vollkommenheit voranbringen, und nur wer die Kunst betreibt, kann die wahre Schönheit ausdrücken, die in ihm schläft und die Befreiung sucht.
Doch vergesst nicht die anderen Völker dieser Welt, denn sie sollen euch ein Mahnmal sein, was mit denen passiert, die vergessen, an sich zu arbeiten und sich zu verbessern. Meidet den Starrsinn der Zwerge! Haltet euch fern von den körperlichen Defiziten der Gnome und Halblinge! Bleibet den Schwachen Menschen fern! Nutzt diese Völker als Spiegel, denn wenn ihr euch in ihnen wiederfindet, seid ihr auf dem falschen Weg.
Ihr seid die Elben, meine Kinder, ihr seid der Superlativ der Lebewesen, die Krone der Schöpfung und Unerreicht in jeglicher Hinsicht. Bleibet eurer Rasse treu und eure Herrlichkeit soll ewig erstrahlen!

Ich werde die Dogmen jetzt nicht im Einzelnen diskutieren. Aber das erste Dogma ist einfach eine Gegenüberstellung zu den Alben, um Imbrâsil (der auch eine Überarbeitung braucht, da sein Dogma noch genau so einseitig ist, aber dazu irgendwann anders mal) zu begegnen. Das zweite Dogma - wir wünschten uns mehr arroganten Biss - baut in gewisser Weise auf dem ersten auf. Nur dass die Elben sich diesmal über alle stellen. Das war der offene Punkt. Dieses Dogma, so wie es steht, passt ideal auf die Zeit vor den großen Elbenkriege (Kurzform: Der Krieg, in dem die Elben die Unsterblichkeit verloren, weil sie sich über alle Völker zu erheben versuchten. Der übermäßige Einsatz von Hochmagie, vor allem der Elben, führte mit zum großen Kataklysmos, der fast die ganze Welt zerstörte und aus dem Superkontinent mehrere Kontinente machte.) Wir haben dann beschlossen, dass es aber für die aktuelle Welt sehr vecorianisch auch klingt, und diesem in Sachen Perfektion ähnelt (an sich kein Problem). Verbunden damit, dass wir jedoch dann auch einräumten, dass Seheiah vielleicht etwas von der "Überlegenheit ihres Blutes" abgerückt ist, auch um ihre Schöpfung zu schützen, braucht sie wohl ein gemäßigteres Dogma. Dieses Problem ist aber aufzulösen. Die Elben können ja durchaus gemäßigter geworden sein und ein maßvolles Dogma bevorzugen, alte Kulte, welche die Restauration des alten Reiches beabsichtigen, können das alte Dogma verehren.

Dass das Dogma, die Göttin (auch wenn ihr Name mich inzwischen nicht mehr begeistert ;)) nicht das Problem ist, das sehe ich aber erst, seit ich in dem Gerinne (anderes Wort für Künette, welches ich wiederum wegen des Klanges für Elben als passender empfand ;)) fast versoffen wäre. Seheiah, die elbische Arroganz, die Hochmagie, das Gefühl der Überlegenheit anderen Völker gegenüber. Es sind alles nur Symptome. Diese Symptome können gelindert werden durch nette Ideen, oder sogar etwas besser, wenn man sich einfach fragt: Warum? Warum sind Elben arrogant? Warum haben Elben spitze Ohren? Warum haben Elben eine Schöpferin? Dieser Ansatz, den ich selbst immer predige, hier aber sträflich vernachlässigte, ließ heute, als ich mit einem Ball am Fuß über gefrorene Wiesen humpelte und durch die Gegend baldowerte, meine kindliche Neugier für dieses Thema neu erwachen. Ich fragte mich duzende Fragen, die mit Warum begannen. Ich durchschwamm also jede Menge elbische Scheiße derweil. Und als mir die Luft aus den Lungen gedrückt war durch die Dauer des unvorbereiteten Tauchgangs, fand ich mit den Händen im Schleim des Gerinnes grabend jene Frage, von der ich glaubte, dass sie mich zur Wurzel brachte. Die Frage war: Warum sind es eigentlich immer die Elben, denen Hochmagie zugeschrieben wird? Nein, warte - so dachte ich. Warum sind es eigentlich immer die Elben, denen die höchste Kultur zugeschrieben wird? Zugebenermaßen, nicht alle Elben/Elfen leben in Phantasiewelten in Hochkulturen eigener Prägung, aber doch haben sie meist welche besessen oder waren Vorreiter (selbst bei Witcher, wo die Elfen sonst eine ziemlich ranzige "Gegenwart" verleben). Die Beispiele sind klar und müssen nicht weiter beleuchtend werden, um den Punkt zu wissen, weshalb ich sie einfach nenne: Forgotten Realms, Herr der Ringe, DSA, in all unseren Runden, die Elfen bei Warhammer, die Asur bei Warhammer etc. etc. etc. Es mag Welten geben, da spielen Elfen/Elben keine große Rolle und vielleicht mag es sogar eine geben, in den Elben/Elfen, so sie vorkommen, nie Hochkulturen besaßen, aber diese sind - mir zumindest - nicht oder wenig bekannt.

Ich möchte den Elben nicht diesen Status nehmen. Ich möchte nicht alles umwerfen, was zu ihnen gedacht wurde. Wie auch bei den Zwergen schon gesagt, leben Fantasyvölker von den Stereotypen und den festen, un- oder schwer veränderlichen Leitmotiven. Die Hochkulturfunktion gehört zu den Elben, wie der Bart zu den Zwergen, die Haare auf den Füßen und der volle Teller zu den Halblingen oder wie der Barbar auf dem Charbogen zu Robert. Aber das ist der Stöpsel der Kloake gewesen oder das mich befreiende Element. Das erkannt zu haben, denn die für mich verfaulte Wurzel hat sich dann in der Betrachtung dieses Status offenbart, bedeutet nämlich, dass ich endlich ein definiertes Problem habe, mit dem ich arbeiten kann. Auch für die kreative Arbeit gilt ja sehr häufig dasselbe wie in der Mathematik: "Definiertes Problem = machbar, undefiniertes Problem = hä?" ;)
Für meine Conclusio fasse ich die vier entscheidenden Denkschritte über die letzte Jahre so kurz und deutlich zusammen, das selbst der Autor sich fragt, warum er das nicht schneller lösen konnte:
  1. Wir haben die Elben immer als gegeben angenommen. Gestellte Frage damals: Was sollen wir daran noch ändern? Antwort: Die passen schon so.
  2. Marnarn hat Bauchschmerzen wegen der Elben. Kann sein Problem aber nicht in Worte fassen. Nicolaj stimmt zu, dass man drüber nachdenken könnte. Gestellte Frage: Wo drückst denn, Herr Doktor? Antwort: Warten sie mal, ich bin hier der Arzt, oder? Widerseitige Stille.
  3. Wir haben die kulturelle Stellung der Elben gleichzeitig damit als gegeben angenommen. Gestellte Frage nach viel Hirnschmalz um nichts all die Jahre: Sag mal, warum sind es eigentlich immer Elben, die vorrangig Kulturgeber sind? Antwort: Darum. ;)
  4. Darum? Darum ist keine Antwort. Setze sich auf deinen breiten Hintern oder auf die Großhirnrinde und hinterfragt es!

Conclusio: Das Problem im Elbentum liegt für mich nicht in ihrem Status oder den Zuschreibungen und nicht einmal unbedingt darin, dass wir diese Frage eventuell einfach noch nicht oder nicht ausreichend beantwortet haben. Es liegt daran, dass die Elben immer das Ende einer kulturellen Entwicklung sind. Zwar haben die Elben diesen Status selten beim aktuellen Kampagnenstart oder Buchstart, aber fast jedes Spiel oder auch Buch verweist auf die alte, glorreiche Elfenzivilisation (oder im Elder Scrolls-Fall auf die Unmengen an unterschiedlichen, extrem hoch entwickelten Elfenzivilisationen, wo bspw. die Zwergen dort an den klassischen Sagen angelehnt sind, und zu den Elfenvölkern gehören). Es ist das Topos des Volkes, und daraus leitet sich meist das kampagnengenutzte oder im Buch genutzte Topos ab, dass die Elben den Zenit überschritten haben und langsam verschwinden oder der alten Glorie hinterherjagen. Diese literarisch-mythologische locus communis ist gut. Daran gibt es nichts zu rütteln und gehört sicher auch zu diesem Volk wie das Beten und SIngen in die moderne Kirche. Was mich aber ärgert ist, wie ich inzwischen feststellen durfte, ist, dass die Elben immer das kulturelle Leitbild bleiben und die höchste Entwicklung darstellen: sie also keine Entwicklungsfähigkeit mehr haben! Und genau das ist es, was mir auf der Enwe derartig Bauchschmerzen verursacht hat (auch Largarth war es kein Problem. Zugebene waren da die Ansprüche auch anders). Der Grund liegt darin, dass wir mit der Enwe ein Werkzeug geschaffen haben, welches auf einer Fantasywelt mit entmachteten Schöpfergöttern das Prinzip der Evolution einführt. Das bedeutet, dass fast keines der Völker mehr so ist, wie es zu Beginn seiner Schöpfung war. Das bedeutet, dass die Elben sich auch entwickelt haben müssen. Ich erinnere daran, dass Entwicklung nicht bedeutet, dass es immer alles besser wird. Es steht für einen Ablauf, der kann unveränderlich, einseitig veränderlich, aber auch willkür veränderlich sein und alles dazwischen sein.

Also auf der Enwe hätte Eru den Elben sonstwas geben können, sie wären nicht mehr die Elben, die er als erstes Volk geschaffen hat, sobald die Enwe mit ihnen fertig ist ;) . Jetzt will ich es nicht an Tolkien festmachen, auch wenn unsere Welt mindestens genauso viele christliche Einflüsse hat, sondern es nur erwähnt haben. Das Veränderliche hat eine wichtige Funktion. Es bedeutet nicht allein, dass die Elben degenerieren können (was auch eine sehr witzige Vorstellung ist. Es ist endlich mal Zeit an ihrem Volksnimbus zu reißen!), sondern auch, dass es zwangsläufig ungeklärt bleiben muss, ob die Elben das kulturell, als auch in der humanoiden Lebensform bestehende, Höchste sind, was es unter den Völkern gegeben hat und je geben wird. Natürlich können Elben und Alben weiterhin daran glauben, die Geschichte kann es uns weiter so verkaufen und wir dieses Topos weiter pflegen: aber dass die Elben die höchste Zivilisation haben oder hatten, ist kein unterbewusstes Diktat mehr! Und diese Erkenntnis empfinde ich als außerordentlich befreiend. Ich hatte die Elben einfach satt, weil sie für mich unbewusst - wie vielleicht und hoffentlich durchgedrungen ist - ein abgeschlossenes Volk waren und jetzt gerade noch bewusst sind. Es gab nichts mehr, was sie entwickeln konnten, weiterentwickelnd konnten. Sie konnten nur im erbärmlichen Kampf gegen das Ideal führen und hoffen, zu dem zu werden, was sie einstmals waren. Der Untergang oder Niedergang elfischer/elbischer Zivilisation ist sicher das häufigste aller phantastischen Untergangsthemen (Auf der Enwe spielt es auch im Moment noch eine Rolle, auf Largarth hat es eine wichtige Rolle gespielt, ja sogar in der Gildenrunde gab es Anklänge daran wegen des FR-Kanons um die Illefarn). Und genau das hat sie uninteressant gemacht in der tieferen Bearbeitung für mich. Und jetzt, da diese Barriere weggeschoben ist aus meinem Kopf, ich die Barrikadenkämpfe gegen die Vorteile und festgetretenen Bilder für mich entscheiden konnte, kommen auch die ersten kreative Fragen zum Elbenvolk. Diese werde ich wieder kurz halten.

Die wichtigste Frage ist: Wie hat sich das Elbenvolk entwickelt?
Um diese Frage zu klären, müssen wir das Alter der Welt nochmal verhandeln (das haben wir hier bereits im Post des Eisgottes wieder aufgefasst.) oder zumindest den Ablauf weiter durchplanen. Aber selbst ohne diese Angabe kann man es gerne mit der Anthropogenese vergleichen, was ich äußern möchte. Wie hat der Elf sich biologisch-evolutionär entwickelt? Gab es es einen Steinzeitelben? Wie sind die Aufspaltungen der Elbenvölker zeitlich anzurechnen? Wann waren die Elben das Übervolk? Wie konnte es dazu kommen? Welche Punkte spielen dafür eine Rolle? Welches Volk war zuerst?
Ich habe da sofort die Vorstellung, dass es einen Ort gibt, an dem die Evolution gestoppt wurde durch irgendein Phänomen, ein abgeschlossenes Gebirge, ein versunkener Dschungel, was auch immer. Man stelle sich das vor wie die Vergessene Welt (ihr wisst schon, diese Buchreihe zu Prof. Challenger vom Sherlock Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle), doch dass dort vielleicht keine Dinosaurier rumfleuchen (aber durchaus andere Urtiere), sondern Steinzeitelb, Steinzeitzwerg (der hat sich sicher kaum entwickelt seitdem, beim Zwergen ist immer Steinzeit :D), Steinzeitmensch (vielleicht alle in Menschenaffen, Elbenaffen, Zwergenaffenform :D). Den genauen Rahmen könnte man dann setzen. Es geht erst einmal nur um das Gedankenspiel. Und darum, dass wir vielleicht am großen Kataklysmos nochmal drehen und ihnen Millionen von Jahre in die Vergangenheit setzen. Hat es damals die unsterblichen Elben gegeben und nachdem fast alles zerstört war, und die Elben die Unsterblichkeit verloren und beinahe aus der Existenz getilgt wurden, stellte man alles auf "Neuanfang" und die Welt hat 2,2 Mio Jahre gebraucht, um wieder auf ein ähnliches Level zu kommen?

Auf jeden Fall würde eine solche Entwicklungsgeschichte neue Einblicke in den Elben (und in die Welt!) geben, aber es gibt dem Volkskonzept Elb auch wieder Luft zum Atmen. Ich denke, ich habe mich aus der Künette voller brackiger Elben befreit und ich habe sogar einen verschütteten Zufluss freigelegt, als ich in der Scheiße wühlte, sodass das stehende Wasser wieder in Bewegung kommt und sich klart. Die Elben stinken nicht mehr so sehr nach altem Muff für mich. Sie leben wieder. Denn Stillstand ist in der Evolution der Tod, wie wir glauben zu wissen. Doch nun können Elben sich wieder ehrlich entwickeln, in welche Richtung auch immer. :) Für mich waren die letzten drei Stunden an diesem Beitrag ein voller Erfolg, auch wenn meine Gedanken sicher etwas wirr durcheinander geworfen sind.

Danke für die Aufmerksamkeit.
"Charakter ist ein Fels, an welchem gestrandete Schiffer landen und anstürmende scheitern." - Jean Paul, Levana

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